Mittwoch, 7. März 2012

Spaghetti Bolo

Könnte ich dich jetzt da vor deinem Bildschirm sitzen sehen, würde ich bestimmt in ein fragendes Gesicht schauen.
...wie Spaghetti Bolo? Die isst doch im  Moment gar kein Fleisch. Hat sie doch gesagt... höre ich dich leise raunen.
Wer sagt denn, das meine Bolo mit Fleisch war?

Aber du hast natürlich recht, bis Ostern möchte ich gerne, wie letztes Jahr auf Fleisch und Wurst verzichten. Wir sind ja wirklich richtige Fleischesser und bei uns gibt es auch noch das gute alte deutsche Abendbrot mit Wurst und Brot.
Ich verzichte aber nicht, weil ich abnehmen will. Gut, ein paar Pfund könnten schon von den Hüfte. Aber dazu würde es schon reichen, wenn ich mich wieder regelmäßig aufs Fahrrad schwinge. Denn mein Hüftgold kommt von mangelnder Bewegung...

Warum aber dann der Verzicht auf Fleisch?
Für mich hat das einen guten Grund. Wenn du ein gutes Stück Fleisch hast, brauchst du nicht viel. Du musst es ordentlich zubereiten, mehr nicht. Dann stellst du dem Ganzen ein paar schöne Beilagen zur Seite und fertig. Das kann im einfachsten Falle ein gutes Stück Brot, Butter und etwas Fleur de sel sein, auch ein Risotto, ein Kartoffel-Gratin, eine gute Pasta...dann gibst du dir nur ein klein wenig Mühe mit der Sauce und gut ist. Wenn du es hoch treiben willst, dann spielst du noch ein wenig mit Gemüse rum.
Aber immer ist das Fleisch der Haupt- und der Rest der Nebendarsteller.

Was aber, wenn der Hauptdarsteller wegfällt?
Dann müssen die Komparsen den Film zu einem Highlight machen. Heißt in der Küche, du musst dir überlegen, wie du aus "simplem" Gemüse oder anderen Veggie-Sachen einen Oscar-Gewinner machen kannst. Denn von Aschermittwoch bis Ostern nur grünen Salat zu essen, fetzt nicht wirklich.
Und genau aus dem Grund seh ich die ganze Fleisch-Verzichts-Geschichte als Herausforderung, ohne es wirklich zu eng zu nehmen. Mir geht s drum, für mich neue Sachen auszudenken. Da darf ans Risotto durchaus ein Hühner- oder Kalbsfond. (Gemüsebrühe mag ich einfach nicht besonders, obwohl ich sie schon oft probiert hab...selbstgemacht-was sonst)

Ich kann sagen, dass mich dieser Verzicht echt beflügelt. Ich lese vegetarische Kochbücher mit Genuss und würde sofort alles ausprobieren.

Und ich hab mich daran erinnert, dass ich mal von Linsenbolognese gelesen hab. In den Fleischzeiten ganz nach hinten in die letzten Gedächtniswindungen verdrängt, kommt mir jetzt genau die Lust drauf.

Rezepte geistern ja so einige durch das Internet. Und ich glaube mich erinnern zu können, das der ein oder andere Foodblogger das schon gemacht hat (bei Anikó, Tina, und Kochfieber bin ich fündig geworden).
Manche nehmen die normalen Tellerlinsen. Die hab ich mittlerweile aber aus meiner Küche verbannt, da ich sie irgendwie leer im Geschmack finde und sie sehr leicht zerkochen.  Auch von roten Linsen hab ich irgendwo gelesen. Aber auch die scheinen mir für die Bolo weniger geeignet, da auch sie sicher einen Pamps im Topf zurücklassen würden.
Puy-Linsen scheinen mir am geeignetsten zu sein, sie bleiben schön fest und haben einen schönen linsigen Geschmack.

Ich hab mich dann für Alb-Linsen entschieden. Die hab ich mir bei den Jungs von foodiesquare bestellt. Total klasse und noch dazu in Bio-Qualität (wer mehr über die Jungs von foodiesquare lesen will und was das besondere daran ist, sollte mal bei Alice nachschauen)



Was ist also für eine leckere Linsen-Bolognese zu tun?
Eigentlich nicht mehr als für eine "normale".

In einer Pfanne werden Zwiebeln angeschwitzt. Dann kommen eine ordentliche Menge ganz fein geschnittenes Schmorgemüse dazu: Möhre, Petersilienwurzel, Sellerie...bei mir auch Steckrübe. Das darf dann etwas Röstfarbe annehmen bevor die Linsen und etwas Knoblauch dazu kommen. Dann Tomatenmark.  Jetzt wird mit Wein abgelöscht. Da ich keinen Rotwein hatte, hab ich einfach zur Portweinflasche gegriffen. Der kam natürlich nicht in die Köchin, sondern in die Pfanne zum Ablöschen (nenene...was ihr schon wieder denkt!).
Jetzt noch ein paar Zweige Rosmarin und Thymian zugeben und ein Lorbeerblatt und mit Fond angießen, dass alles grad so mit Flüssigkeit bedeckt ist. Später kann noch nachgegossen werden, falls es doch zu wenig war. Du kannst natürlich noch ein paar Dosentomaten zugeben, dann reduzierst du die Flüssigkeitsmenge. Ich hatte keine mehr im Vorrat.
Deckel drauf und schön vor sich hinköcheln lassen, bis die Linsen gar sind. Dann nur noch mit Salz und Pfeffer würzen. Wer mag, kann natürlich auch noch Chili zugeben.

Da das ganze jetzt ein wenig auf dem Herd schmurgelt, hast du sogar Zeit, die Pasta selbst herzustellen. Da dafür jeder sein eigenes Rezept hat, darfst du das gerne so machen, wie es sich für dich bewährt hat.

Nachdem die Pasta fertig gekocht ist, mischt du alles in der Pfanne zusammen und servierst es mit geriebenem Parmesan und Thymianblättchen...


Wenn du es kostest, wirst du kein Fleisch vermissen, glaub mir. Selbst der Herr Kampi, der oft etwas skeptisch schaut, wenn ich ihm von solchen "Experimenten" erzähle, war letzten Endes überzeugt.

So kann das von mir aus bis Ostern weitergehen. Ohne Fleisch.


Kommentare:

snuggely hat gesagt…

Mmmmh das schaut aber lecker aus!
Das rutscht schon mal ganz nach oben für die Aktion "Fremdkochen" (huettenhilfe.de), das aktuelle Thema sind nämlich Nudeln *g*

Barafra hat gesagt…

Mmmh, sieht das lecker aus, obwohl ich wegen der Linsen leider passen muss. Aber sie erwecken mit ihrer "Körnigkeit" so ein bisschen die Erinnerung an Hackfleisch.
Hast du die Spaghetti echt selbst gemacht? Hast du mir ein Rezept für den Teig ohne Ei? Denn dafür mag ich keine Eiernudeln. Bin gespannt, wie du die gemacht hast :-)

GGLG von Barbara :-)

zorra hat gesagt…

Mir läuft das Wasser im Munde zusammen! Stimmt so ist der Verzicht auf Fleisch gut auszuhalten.

Täglich Freude am Kochen hat gesagt…

Hallo Sandra, da kochst einmal was ohne Fleisch und ich schnapp es mir sogleich und koche es nach:) Sieht wirklich gut aus.
An alle schöne Grüße, Magdi

Gottfried hat gesagt…

Also nachdem ich letztens mit der von Robert und auch Heike gezeigten Blumenkohllasagne ziemlich ungnädig aufgenommen wurde (gescheitert bin, sozusagen), scheint mir diese Idee einen neuerlichen Versuch wert.

...Frau Kampi... hat gesagt…

@snuggely,
ich fands auch wirklich toll. Und man kann das ja auch noch seinem eigenen jeweiligen Bolo-Rezept anpassen. Da hat ja sowieso jeder seins.
@Barafra,
das ist schade. Mir würde echt was fehlen, wenn ich auf Hülsenfrüchte verzichten müsste. Und leider muss ich dich enttäuschen. Meine Pasta mach ich immer mit Ei. Vielleicht sollte ich mal ein wenig experimentieren...
@zorra,
du hast recht. Ich vermisse im Moment nix!
@Magdi, freut mich sehr, wieder von dir zu lesen. Ich hoffe es geht euch allen gut? Liebe Grüße in meine zweite Heimat :-)
Es freut mich, wenn es dir gefällt.
@Gottfried,
probier es aus und berichte mir bitte. Die Blumenkohl-Lasagne wollte ich auch noch ausprobieren. Meinste, ich sollte das lieber nicht tun? Oder woran bist du gescheitert?

Gottfried hat gesagt…

Doch unbedingt solltest Du die Blumenkohllasagne machen. Nur weil ich zu blöd bin…

Das Hauptproblem war, glaube ich, das Rösten des Blumenkohles im Backofen. Der Geruch war meinem an diesem Abend ohnehin sehr schlecht gelaunten “Erdenglück” so unangenehm, dass dies mit erstaunlicher Penetranz kundgetan wurde. Außerdem habe Sie jetzt Hunger…

Und überhaupt fand sie dann nicht, dass sich der ganze Aufwand gelohnt habe.

Muss dabei zugeben, dass ich selbst auch der Meinung bin, dass ich das hätte besser hinbekommen können. Nur ist momentan eine Wiederholung irgendwie schwierig…

Von der Bolo werde ich berichten.

...Frau Kampi... hat gesagt…

@Gottfried,
ich hab mit dem Kohlgeruch keine Probleme...also steht dem wohl nix im Wege! Und Aufwand kann es in meiner Küche nie genug sein :-)