Montag, 10. Mai 2010

...Frau Kampi ist noch da...

Ich hab ein richtiges schlechtes Gewissen. Hängt es damit zusammen, dass ich hier schon lange nichts mehr zum besten gegeben habe? Aber was soll ich hier schreiben, wenn ich keine Zeit habe zu kochen?
Also ich koche schon, fast täglich. Lohnt sich aber im Moment nicht wirklich in  meine Töpfe zu schauen. Ist so die Küche um tagtäglich satt zu werden. Alles was schnell geht. Viel Spargel, Nudeln, neue Kartoffeln, Kräuterbutter...
Alles, was der Frühling hergibt.
Aber nur Geduld.
Im Moment sammle ich Ideen.
Das Essen mit den Schwiegereltern steht an.
Das Muttertagsgeschenk.
Das ist das einzige, was man einer Blumenladen-Besitzerin schenken kann, die nie Zeit hat.
WER HAT IDEEN?

Mittwoch, 5. Mai 2010

Psst! Kommt mal alle ganz nah vor dem Bildschirm zusammen. Frau Kampi verrät euch mal ein Geheimnis!

Haha, habt ihr euch so gedacht, dass ich einfach so ein paar meiner Geheimnisse preisgebe. Nix da!!!
Zuerst wird hier mal im Chor gesungen:
"Der Mai ist gekommen..."
...Die Grillsaison beginnt...

Und Grillen lieben wir ganz besonders, der Herr Kampi und ich. Der junior auch, weil da gibt es FLEISCH.
Aber das soll hier und heute kein Thema sein. Nach dem ersten Angrillen im Jahr, wo die Fleischeslust gestillt wurde, lieben wir es, den Grillvorgang zu zeremonisieren. (gibt es das Wort laut Duden auch wirklich?)

Der Herr Kampi hat ja einen Traum, einen Grilltraum sozusagen.
Eine Wiese, eine lange Tafel mit wehenden Tischtüchern, vielleicht so unter Obstbäumen. Um die Tafel alle Lieben, die wir kennen, viel Zeit und auf dem Tisch alle Köstlichkeiten, die man nur zaubern kann. Und das Grillevent muss mindestens den halben Tag dauern. Oder noch länger.Leider ist das Ganze bis jetzt nur ein Traum. Wir wohnen mitten in der Stadt und haben leider keine Wiese mit duftenden Obstbäumen.

Ab und an gehen wir zum Grillen zu Freunden, die laden uns ganz gern mal ein. Und das hat auch einen Grund.
Also, von Natur aus ist die Familie Kampi ganz nett. Schon das ist ein guter Grund für eine Einladung.
Aber da ist ja noch das erste Geheimnis:
Frau Kampi wird eingeladen wegen der leckeren Ofentomaten, die sie immer mitbringt.
Ohne die darf sie an keinem Grillabend teilnehmen.

Wie wird man doch immer an Äußerlichkeiten gemessen!

Aber es ist auch eine gute Gelegenheit sich irgendwo einzuladen. "Wenn ihr grillt, bring ich meine Tomaten mit!"

Und ihr lieben Leser hier seit die ersten, denen ich mein Rezept so richtig verrate!
Ich kauf die kleinen Tomaten, am liebsten die an der Rispe, die so richtig nach Pommodore duften.

Die werden halbiert und der Strunkansatz entfernt. So wandern sie mit der Schnittfläche nach oben in eine Auflaufform, ganz dicht neben einander. Und die Zwischenräume werden teilweise mit geschälten Knoblauchzehen gefüllt. Der Knoblauch gibt nur das Aroma an die Tomaten ab, da kann man schon mal den getrockneten verwenden. Aber wenn man frischen hat, gibt es nichts besseres, als den dann nach dem Garen  aufs Brot zu streichen!
Jetzt muss ich mal abschätzen. Sind die Tomaten noch nicht so richtig reif, muss ich ein klein wenig Zucker auf das Ganze geben. Das merke ich meistens schon beim Schneiden.
Und dann kommt das selbergemachte Lorbeersalz darauf. Das hat Frau Kampi sich für den Vorrat gemacht. Grobes Meersalz und getrocknete Lorbeerblätter werden einfach im Mixer zerstoßen.
Jetzt werden die Kräuter gehackt, die dann obenauf kommen. Ganz viel Thymian und Rosmarin. Vielleicht noch ein ganz klein wenig Salbei und Oregano- muss aber nicht sein. Wer es mag und verträgt kann ja auch noch Chili -getrocknet oder frisch hinzufügen. Es müssen richtig viel Kräuter oben drauf, ganz fein geschnitten. Jetzt wird Olivenöl anggegossen. Kann ruhig ein gutes sein. Der Boden der Form sollte so1-2mm bedeckt sein.








 
Das Öl gibt nach dem Backen eine gute Grundlage für ein Salatdressing, oder man kann gekochte Spaghetti drin anschwenken. Jetzt kommt das ganze in den Backofen. Am Anfang kann die Hitze etwas größer sein, so 180-200°C, wenn es dann im Ofen richtig brutzschelt, wird die Hitze zurückgenommen. Die Tomaten sollten genügend Zeit bekommen, um das ganze Aroma der Kräuter und des Öls aufzusaugen. Das kann je nach Größe der Tomaten schon mal zwei Stunden oder länger dauern. Wenn es dann so richtig köstlich duftet und der innere Rand der Form so leicht bräunlich ist, ist das Ganze fast fertig. Aber ein wenig Geduld braucht es noch. Die Form sollte die Zeit bekommen ganz langsam im Ofen auszukühlen. Ist das ganze noch heiß, denkt man, die Tomaten hatten zu viel Fruchtfleisch und das ganze ist zu matschig. Wenn aber alles abgekühlt ist, hat man fantastisch aromatische Tomaten, die am köstlichsten auf frischem Brot oder pur gegrilltem Fleisch schmecken. Aber hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Mit Olivenöl bedeckt kann man das ganze noch ein paar Tage aufheben, sollte aber auch dann rasch verbraucht werden. Frisch ist frisch!


Und jetzt verrate ich euch noch ein Geheimnis:
Ich habe diese Tomaten noch nie gekostet, obwohl das Rezept schon viele Jahre in meinem Repertoire ist.

ICH MAG NÄMLICH KEINE TOMATEN!

Dienstag, 4. Mai 2010

Spannung, Spiel und...?

Als unser Sohn in das Schokoladenalter kam, hab ich sie geliebt, Überraschungen. Schön verpackt in Staniolpapier, in den Farben orange und weiß, mit blauer Schrift (wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht -ein paar Jährchen ist es ja nun schon her). Das hatte doch was. Man wusste genau, was man zu erwarten hatte. Selbst wenn da nur Kinkerlitzchen aus der gelben Kapsel zum Vorschein kamen, die Schokolade machte alle glücklich. Und so wirklich überraschend war da ja nun auch  nichts.
Jetzt, da Frau Kampi und auch der Herr junior weit über dieses Alter hinaus sind, hat sich das Empfinden für Überraschungen verschoben.
Und das Vergnügen, die Schokolade zu genießen, hat deutlich nachgelassen.
Aber ab und an freue ich mich schon, wenn ich überrascht werde. So auch letztes Wochenende. In der Hoffnung vor dem Muttertag -dem Großkampftag der Floristen- noch einmal ein klein wenig Ruhe zu genießen, habe ich nicht allzuviel eingekauft. Der Herr junior hatte ja noch seinen letzten Praktikumstag zu absolvieren, und da war er essenstechnisch auch versorgt. Da hatte ich mir mal vorgenommen, keinen Aufwand mit Kochen zu betreiben.
Spontan haben wir deshalb ein Treffen mit Freunden am Freitagabend zugesagt, obwohl der Herr Kampi gar nicht so begeistert schien. Nach der Arbeit habe ich schnell noch einen Spargelsalat gezaubert -schüttelt Frau Kampi doch aus dem Ärmel. Das Beisammensein gestaltete sich auch sehr lustig, bis sich das Handy von Herrn Kampi mit dem häßlichen Klingelgeräusch meldete(obwohl er doch sonst nie ein Handy bei sich trägt). Ein Blick aufs Display weckte eine Ahnung.
Und wer meldete sich mit der Festnetznummer der Eltern der Frau Kampi?  Einer, der seit zwei Jahren nicht mehr einfach klingeln kommt, um nachzufragen, was es denn heute zu Essen gibt. Der Bruder der Frau Kampi. Einfach mal übers Wochenende vom Bodensee bis in die Heimat gefahren, wegen der Schwester und wegen deren guten Essen?!
!!!ÜBERRASCHUNG!!!
Wir sehen uns ja viel zu selten. 700 Kilometer sind schon eine ganz schöne Distanz. Für uns jedenfalls.
Wie war ich doch happy!!!
Die Freunde schauten ein wenig bedeppert, als wir unseren Besuch so früh abbrechen mussten.Aber Blut ist nun mal dicker als Wasser.
Obwohl wir fast täglich telefonieren, hatten wir uns so Auge in Auge viel zu erzählen. Und er schwärmte mir vor, dass er sich schon auf mein Gekochtes freuen würde.
Doch wie verköstigen wir Ihn?
Der Vorrat der Frau Kampi ist, Gott sei Dank, recht gut bestückt. In den Tiefen der Kühltruhe ruhte noch ein Rehrücken, vom Jäger. Mit Knochen.
Gerade jetzt ist es an der Zeit genau diesen aufzutauen. Spargel haben wir zur Zeit immer im Haus. Na und mit der gebeizten Forelle, die auch noch im Kühlschrank vor sich hin zieht, können wir doch ein vortreffliches Sonntagsmenü zaubern.


Und genau so haben wir es am Sonntag auch gemacht!
Als erstes bekommt der Herr Kampi den Auftrag, das Rehfilet vom Knochen zu lösen (das ist nach Essen, Fisch einkaufen und zerteilen die nächstliebste Aufgabe).
Die Knochen werden sodann in einen Fond verwandelt.Aus dem nun schon bekannten Vorrat wird dann noch ein Rehjus hinzugefügt (selbstgemacht!). Wir haben  doch keine Zeit! Da tricksen wir ein wenig, mit dem Geschmack.
Der Spargel wird geschält und mit den Schalen ein Spargelfond gezogen. Aus eben jenem kochen wir eine Spargelsuppe, noch ohne Einlage. So richtig mit Weißwein abgelöscht und mit Sahne eingekocht...
Das muss ich ja hier niemandem wirklich erklären, oder?

Der Anfang fürs Menü ist gemacht.
Jetzt machen wir aus dem Rehfond erst mal eine Reduktion mit Rot- und Portwein. Die soll dann als Soße dienen.
Die Kartoffeln garen, geschält, so nebenbei. Ein paar Erbschen müssen noch gekocht werden, der junior mag keinen Spargel (da tun es auch Erbsen aus dem TK). Der Rest Rhabarber aus dem Keller passt ja jetzt auch in die Jahreszeit, und mit Ingwer und Chili auch zum Bambi.
Der Spargel für die Einlage der Suppe wird in feine Scheiben geschnitten und darf mit Zucker und Salz erst mal Saft ziehen, um dann in einer Pfanne Hitze zu bekommen. Die Forelle in Scheiben schneiden und in einem extra Löffel zu der Suppe reichen,welche aber keine reine Spargelsuppe werden wollte. Bärlauch und Petersilie verwandelten das Ganze mit Hilfe der jetzt immer vorrätigen Kräuterbutter und des Pürierstabes in ein grünes Schaumsüppchen, welches auf den Spargelscheibchen platziert wird. Ein paar Tröpfchen Zitronenöl runden das ganze noch ab. Was für ein schöner Auftakt.



Mittlerweile sind die Rehfilets angebraten,gebettet auf Thymian und Rosmarin, gewürzt mit einer Würzmischung aus Korianderkörnern, Wacholderbeeren, Piment und Pfeffer, in den Ofen gwandert, um dort in sanfter Hitze zu garen.
Die Kartoffeln sind jetzt weich und werden erst mal durch die Presse gejagt. Das Püree wird mit Milch glattgerührt und geteilt. Die eine Hälfte bleibt natur und die andere Hälfte wird mit gekochten, gepressten Möhren/Karotten und Tomatenmark verrührt. Um Eindruck zu schinden habe ich das Ganze beim Anrichten natürlich effektvoll als zweistöckiges Türmchen angerichtet. Das Fleisch ist mir fantastisch rosa und butterzart gelungen und wurde auf der Soße zum Pürree drapiert. Das Gemüse noch dazu, den Rhabarber auf das Fleisch gegeben. Fertig!


Für meine Meinung war der Rhabarber ein wenig zu sauer, er hätte ruhig noch etwas Honig oder Zucker vertragen können. Aber alles in allem waren alle sehr zufrieden. Muss wohl geschmeckt haben, es ist nichts übrig geblieben.
Am Sonntag abend haben wir auch noch gegrillt. Jetzt weiß ich auch, warum der Herr Kampi letztens so einen Wert drauf gelegt hat, in der "Metro" die tiefgekühlten T-Bone-Steaks einzukaufen. Er war in den Plan eingeweiht.
Wir haben zusammengesessen, gegessen und geredet. Es war wie früher, als wir alle einfach so um die Ecke wohnten und jeder jedem jederzeit auf die Nerven fallen konnte.
Und jetzt ist? Brüderchen ist schon wieder in seinem Zuhause am fernen Bodensee. Aber bald kommt er wieder, hat er versprochen. Auch wegen dem Essen?
Ich hoffe doch. Und wenn nicht deshalb, dann einfach nur um seine Schwester zu besuchen!