Samstag, 23. Februar 2013

Die fetten Tage sind vorbei

Ich schwelge noch immer in Erinnerung an Gündelbach. Was haben wir geschlemmt! Und das, obwohl das Wochenende ja schon in der Fastenzeit lag. Und Fastenzeit bedeutet für mich seit drei Jahren, dass ich auf Fleisch verzichte.
Genau deshalb ist jetzt auch Schluss mit den fleischlichen Genüssen hier. Bis Karfreitag! Mir macht das überhaupt nix aus. Im Gegenteil! Dieses Jahr hab ich mich so richtig drauf gefreut, was vielleicht auch mit unserem Koch-Event in Gündelbach zu tun hat...aber nur ein klein wenig.

Ich gebe zu, im ersten Jahr hab ich noch etwas gemogelt. Da durfte auch schon mal etwas Speck mit untergemischt werden...und war ich eingeladen, hab ich auch schon mal so ein klitzekleines Hähnchenschnitzeldingensfitzelchen verdrückt.
Im letzten Jahr war ich schon deutlich diszplinierter. Da war auch nichts mehr mit Speck. Nur die Fonds für meine Saucen waren noch entweder aus Huhn oder aus Kalb.
In diesem Jahr hab ich mir sogar schon eine richtig tolle Gemüse-Brühe gekocht. Damit werde ich in den nächsten Wochen meine Saucen kochen.

Wie jedes Jahr gilt aber in unserer Familie die Devise: meine Männer dürfen Fleisch, wenn sie es möchten. Fisch ist erlaubt...genau wie Meeresfrüchte.

Ich habe festgestellt, dass mich dieser Teilzeitvegetarismus richtig kreativ macht.

In der "alltäglichen" Küche ist es ja sonst ziemlich einfach. Fleisch auf den Teller und ein paar nette Beilagen drumrum...fertig ist die Laube.
Aber wenn so gar kein Fleisch auf den Tisch kommen soll, dann wage ich mich auch mal an ungewöhnliche Kombinationen.

In den ersten Tagen hab ich mich erstmal langsam vorgetastet. Zuerst schrieen mal wieder Sachen aus dem Kühlschrank danach unbedingt zu Köstlichkeiten verarbeitet zu werden.

Für solche Sachen eignen sich Ravioli ganz gut.

Den Teig hab ich wie immer nach der Methode gemacht, nimm ein Ei(gelb) mehr. Inspiriert von meinem Kochkurs bei Anna Matscher kommen bei mir auf 250gr. 00er Mehl und etwas Pastagrieß ein Ei und mindestens 6 (meistens 1-3 mehr) Eigelb. Kein Salz...vielleicht nur ein winziger Schuss Olivenöl. Ansonsten nur etwas Wasser.

Ja, was hab ich denn nun drinnen im Teig? Eigentlich nichts wirklich aufregendes.
Ich hab eine kleine Zwiebel in feine Würfel geschnitten und in einer Pfanne glasig gedünstet. Dazu kamen Artischocken aus dem Glas (in Öl eingelegt-nicht die blöden sauren Böden, die manchmal auf Pizzas landen), in Würfeln. Dann noch etwas TK-Spinat mit in der Pfanne zusammenfallen lassen. Nachdem das ganze etwas abgekühlt war, hab ich etwas von der Mascarpone untergemischt, die auch endlich mal verarbeitet werden wollte. Goldgelbe, fein gehackte Pinienkerne durften noch dazu. Und ein paar Würfel geräucherter Mozzarella. Mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt, war die Mischung schon recht fein. Ich mochte es!

Und dann sah ich so nebenbei während meiner Kocherei das ARD-Büfett. Und was machte die junge Köchin (ich glaub, sie hieß Hormann...)  da grad? Vegetarische Ravioli. Mit Polenta in der Füllung.
Das war für mich die Idee. Ich hatte ja noch Orangen-Polenta vom letzten Wild.

Genau davon kam jetzt noch ein großer Klacks in meine Füllung. Haaaach...ich hätte mich reinlegen können. Der Maisbrei brachte eine schöne Bindung und die Orangennote kam ganz toll zu den anderen Zutaten.

Beim Pastaklöppeln hab ich mir nicht ganz so viel Mühe gegeben. Die waren von der Form nicht wirklich perfekt. Den Teig hab ich dünn in Bahnen ausgerollt, auf die eine Hälfte die Füllung gekleckst, die Zwischenräume mit Wasser bepinselt, die andere Hälfte übergeklappt, den Teig angedrückt, mit dem Rädchen Vierecke ausgeradelt und die Ränder mit einer Gabel angedrückt.

Auf einem Holzbrett mit etwas Pastagrieß bestreut durften sie etwas antrocknen, bis ich die Sauce fertig hatte. Der Grieß sorgt dafür, dass die Nudeln nicht auf dem Brett ankleben. Mehl weicht zu schnell durch und die Ravioli reißen ganz schnell, wenn sie länger auf die Weiterverarbeitung warten.

Für meine Familie durfte es ein Sößchen mit Chorizo sein. Eigentlich überhaupt kein Hexenwerk. Zwiebel anschwitzen, die feingeschnittene Wurst sanft mit anbraten. Wer mag etwas Knoblauch dazu (der darf bei uns immer!). Ablöschen mit Weißwein und meiner frisch angesetzten Gemüsebrühe. Alles schön durchziehen lassen.

Das Pastawasser kochte in der Zwischenzeit. Die Ravioli brauchen da auch nicht wirklich lange drin. Wichtig ist nur, dass das Wasser ordentlich gesalzen ist, da der Pastateig noch kein Salz enthält. In einer Pfanne hab ich die restlichen Artischocken in etwas Olivenöl angedünstet, die Nudeln durften aus dem Wasser dazu wandern.

Ein bisschen Crisp wollte ich noch obenauf. Da kam mir die glatte Petersilie auf dem  Fensterbrett in den Weg. Schnell ein kleines Töpfchen mit Öl aufgestellt und die Blättchen frittiert.

Während das Grün auf Küchenpapier entfettete hab ich die Sauce endgültig fertiggestellt. Löffel Mascarpone untermischen, mit dem Mixstab pürieren, salzen. Fertig!

Alles schön auf einem Teller anrichten. Etwas geräucherten Mozzarella drüberhobeln. Für mich etwas mehr von dem Käse, für meine Familie die aufgeschäumte Sauce.

...mit dem Anrichten hats nicht ganz so gut geklappt...die Sauce ist aber nicht abgeschissen! Das war nur Olivenöl!




So kann es für mich gerne bis Ostern weitergehen. Ich freu mich auf alle Fälle drauf.

Kommentare:

Tom hat gesagt…

..was sind schon 40 Tage, wenn solche Leckerchen auf den Tisch kommen.
Ravioli, Polenta, Artischocken....3 Favoriten in einem Gericht...das koch ich nach !

Marion Prosenz hat gesagt…

Wenn du für mich kochst, brauche ich auch kein Fleisch... nicht mal nen Fond. (Naja... wobei, ich liebe Chorizo ;-). Wegen der Mozzarella-Räucherei werde ich dich sowieso noch interviewen, sobald der Ofen hier aufgebaut wurde!

Klärchen Kompott hat gesagt…

...ja, ja, so fing es mit den Herrgotts Bescheißerle ja auch an, ich mein ja nur ;-) wo du doch so frisch von den Schwaben zurück bist und dort die Bescheißerle ja erfunden wurden. Lass Dich bloss nicht mitreißen und bleib bei Deinem Fastenvorhaben, ich finde es klasse! Mach ich vielleciht im kommenden Jahr auch mal.

pimpimella hat gesagt…

Das sieht wieder mal hervorragend aus....ich liebe Pasta, ob Fastenpasta oder mit Fleisch ist mir ....wurscht :-))

Anonym hat gesagt…

Oh, das sieht wirklich ganz herrlich aus und lässt mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Ich bin ganzjährlich Halbzeitvegetarierin wegen meinem freund ;) Es gibt noch viele weitere tolle Gerichte und ich bin gespannt, was Du noch alles für Dich entdeckst. Für n Schnitzel ist immer noch Zeit ;) Viel Erfolg weiterhin beim Fasten! LG Ellie

...Frau Kampi... hat gesagt…

:-D

...Frau Kampi... hat gesagt…

der Ofen ist ja jetzt aufgebaut...also frag ruhig!

...Frau Kampi... hat gesagt…

nixnixnix mit Herrgottsbscheißerle! Da war kein Fitzelchen Fleisch drin! Ich kann das Fasten, also ohne Fleisch empfehlen!

...Frau Kampi... hat gesagt…

:-D

...Frau Kampi... hat gesagt…

Fürn Schnitzel ist immer noch Zeit. Wie recht du hast. Das mit dem Teilzeit-Vegetarismus ist gar keine so schlechte Idee. Ich find es klasse und bau es bestimmt noch aus.