Sonntag, 15. April 2012

Ich kann nicht backen...

...ich kann es wirklich nicht.
Ich weiß, dass ich mit meiner Back-Legasthenie nich die einzigste bin in der Foodblogger-Welt. Ich find es nicht wirklich schlimm. Ich weiß, das können andere viel besser.
Jutta zum Beispiel. Was die in ihrem Manzfred zaubert ist der helle Wahnsinn. Ich erinnere mich sehr gerne an den Gugelhupf mit Kokos, den sie mir als Dankeschön für eine sächsische Blutwurst geschickt hat. Von den Cookies, die auch mit im Päckchen waren, hab ich nicht ein Stück davon bekommen, die hat sich der junior gleich unter den Nagel gerissen. Der ist ja auch der einzige Süßzahn bei uns. Wobei er seinen Zuckerbedarf aber ansonsten am liebsten mit Schokolade stillt.

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich nicht backe(n kann). Es wird bei uns wenig süßes gegessen. Weder ich, noch der Herr Kampi machen sich so richtig was aus Kuchen und Torten. Auch nicht von Fremdbäckern. Ganz selten mal ein Stückchen...aber herzhaftes ist uns wirklich lieber.

Und herzhaftes kann ich backen. Mein Zwiebelkuchen im Herbst ist schon legendär. Als wir noch unsere Almhütte hinter dem Laden stehen hatten und jeden Herbst zum Hüttengaudi eingeladen hatten, ging es übers Wochenende nie unter 10 Blechen Zwiebelkuchen.

Flammkuchen kann ich auch. Das ist auch nicht wirklich hohe Kunst. Vor allem mit meinem Backstein. Dünnen Hefeteig mit Schmand bestreichen, mit dem Belag der eigenen Wahl versehen und für ein paar Minuten in den knackeheißen Ofen.

Aber ansonsten...

Nun wartete allerdings in meinem Kühlschrank ein schönes Kalbskotelett. 500 Gramm. Das hab ich am Freitag auf dem Wochenmarkt ergattert. Ohne so richtig zu wissen, was ich damit anstelle.

Zuerst dachte ich an Aioli dazu. Ich hatte allerdings Angst, dass der kräftige Knoblauch-Geschmack das feine Fleischaroma erschlagen könnte. Da ich noch ein wenig von der selbstgemachten Kräuterbutter im Kühlschrank hatte, brauchte es ja auch nicht so was schweres mayonaisiges sein.
Ich wollte allerdings auch kein Risotto dazu und auch keine Rosmarinkartoffeln.

Beim Blick in den Kühlschrank fiel mein Blick auf den Hefewürfel, den ich eigentlich für Flammkuchenteig besorgt hatte. Und schon war die Idee geboren: Foccacia! Die hatte ich schon ewig nicht mehr gebacken. Das ist auch ein Gebäck, was ich kann. Allerdings hab ich schon ewig keine mehr gebacken. Ich glaub, auf meinem Blog ist zumindest keine vertreten (und den gibts jetzt schon zwei Jahre...MIST...Bloggeburtstag vergessen...wird nachgeholt...versprochen!)

Das ist eigentlich auch gar nicht so schwierig.

25gr. Hefe in 120ml warmen Wasser auflösen und mit einer Prise Zucker etwa 10 Minuten gehen lassen.
Dann mit 400gr. Mehl (550), etwas Salz und 2EL Olivenöl verkneten, dabei weitere 150ml Wasser (ca) zufügen. Abgedeckt mindestens eine Stunde an einem warmen Ort gehen lassen.

Während des Gehenlassens hab ich überlegt, was ich dem Teig noch zufügen könnte. Ich mag die Variante mit getrockneten Tomaten, Pinienkernen und Kräutern sehr gerne. Aber das wollte ich dieses Mal nicht.

Ich hatte grünen Spargel im Gemüsefach. Ich gebs zu, es war ein Sonderangebot aus dem Supermarkt. Es gibt ja nun auch bei uns schon den ersten deutschen Spargel...und ich hatte sooooo einen Appetit drauf. Nur leider war an diesem Samstag nirgendwo welcher zu bekommen. Also musste die dünnen Supermarkt-Stangen eben mit. Da er wirklich billig war, hatte ich auch keine Skrupel, ihn zu hacken und zu häckseln.

So hab ich die Stiele eines 25ogr. Bundes über der Reibe grob geraffelt und nach der Hälfte der Gehzeit unter den Teig geknetet.
Ich hätte das schon am Anfang machen sollen. Aber so geht es nunmal, wenn man spontan in der Küche rumwerkelt.
Der Teig war durch die Feuchtigkeit im Spargel viel zu klebrig. Wenn ich ihn am Anfang zugegeben hätte, hätte ich weniger Wasser zugeben müssen. Aber so musste ich noch recht viel Mehl unterkneten. Die Hefe hat aber dennoch ausgereicht, ihn bei der weiteren Gehzeit doch noch in die Höhe zu treiben.

Nachdem er ordentlich Zeit hatte, fluffig zu werden, hab ich ihn in zwei Teile geteilt. Der eine durfte noch ein bisschen ruhen und der andere wurde noch einmal geteilt und zu flachen Ovalen ganz voorsichtig geformt.
Da es in der Küche durch das Vorheizen des Ofens schon ordentlich warm war, brauchten diese Fladen auch nicht mehr viel Zeit um wieder schön fluffig zu werden. Mit dem Zeigefinger noch schöne Mulden eingedrückt und ordentlich mit Olivenöl beträufelt in das 200°C heiße Backrohr geben und 20-25 Minuten backen. Genau so mit der anderen Teighälfte verfahren.



Wahrscheinlich war der Ofen beim ersten Backschwung noch nicht wirklich heiß genug. Deshalb sind diese beiden Teigteilchen noch mal schön aufgegangen und ähneln eher Ciabatta...die zweite Variante war schön Flach wie Fladen. So wie es sein soll.

Das Kalbfleisch hab ich einfach nur in meiner Turk angebraten und mit Rosmarin und reichlich frischem Knoblauch im Ofen, der ja nach dem Backen noch ordentlich warm war, so lange ziehen lassen, bis es innen schön rosa und saftig gegart war.


Es war ein Traum!
Die Foccacia war so unglaublich saftig und fluffig und hatte einen tollen Spargelgeschmack. Damit ließ sich der Fleischsafat so richtig schön aufstippen. Und als das Fleisch alle war gabs einfach nur noch ein schönes Olivenöl und Fleur de sel dazu.


Ich hab auch noch zwei der Fladen übrig, die ich gleich eingefroren hab. Dann brauch ich sie beim nächsten Mal nur aus dem Frost nehmen, etwas mit Wasser befeuchten und im heißen Ofen aufbacken.
Ich freu mich drauf!

Kommentare:

Alice hat gesagt…

Foccacia wollt ich auch schon ewig mal machen, aber ich bin ja kein so Hefeteigfreund.... mal schaun.. jetzt weiß ich ja das ich nix Süßes backen brauch... ;-) - muss ich mir was anderes einfallen lassen....

Schaut wie immer klasse aus und jetzt hab ich Hunger!!!!!

DerSilberneLöffel hat gesagt…

Wer braucht da Kuchen, wenn Du so tolle andere Sachen produzierst. Kuchen kann man beim Konditor kaufen ;-)

Täglich Freude am Kochen hat gesagt…

Und du sagst du kannst nicht backen!!?? Wie eine richtige Italienerin hast du mit Olivenöl geprasst, das gefällt mir. LG an euch alle Magdi

Juliane [Schöner Tag noch!] hat gesagt…

Das sieht superklasse aus! Spargel-Focaccia ist eine klasse Idee. Kompliment an die Köchin (und an den Fotografen für die sehr appetitlichen Fotos)!

Und ich kenne viele tolle Köchinnen, die nicht backen können (oder wollen), meine Mutter zum Beispiel :)

Viele Grüße und schöner Tag noch,
Juliane

Heike hat gesagt…

blablabla! du kannst bestimmt alles! :)

...Frau Kampi... hat gesagt…

@Alice,
ich bin eigentlich auch kein Hefeteig-Fan...hatte immer Angst davor. Aber im Laufe meiner Zwiebelkuchen-Backorgien hab ich mich ihm angenähert. Probiers einfach mal aus. Das Ergebnis ist es wert!
@DSL,
du hast vollkommen recht. Schön, wieder mal von dir zu lesen. Ich les ja bei dir auch immer mit, ohne zu kommentieren
@Magdi,
hallo! Ja in der Beziehung bin ich eine "echte" Italienerin. Am Olivenöl wird nie gespart. Ich glaub ich treib die Statistik zum durchschnittlichen O-Ölverbrauch in Deutschland ziemlich in die Höhe
@Juliane,
danke fürs Kompliment. Ich werde es auch weitergeben an meinen Fotografen. Und es beruhigt mich, dass auch du Leute kennst, die zwar kochen, aber nicht backen können.
@Heike,
nix blabla...ich möchte gar nicht alles können können. Das Fotografieren beispielsweise delegiere ich sehr gerne.

Nysa hat gesagt…

bei mir ist es irgendwie tagesabhängig. mal gehts, mal nicht.. worans liegt.. ich wüsste es auch gern!auf dem untersten foto schauts auch toll aus, wie du eben beschreibst: fluffig!!!