Mittwoch, 17. August 2011

Für gute Freunde muss es einfach mehr Aufwand sein

Menno, schon wieder ist der Dienstag rum Mittwoch fast rum und ich hab noch nichts geschrieben. Doof.
Dabei wollt ich doch von dem Kartoffelbaumkuchen erzählen.

Was für`n Ding? Kartoffelbaumkuchen? Was das denn?

Den hat ich mir eingebildet, zu meinem Sonntagsmenü...

Doch von Anfang an.
Wir hatten noch einen Rehrücken im TK: Ordentlich groß, zu groß für uns drei. Aber ausreichend für mindestens 5.


Und da wir ganz liebe Freunde haben, mit denen wir die Leidenschaft für den Genuss und gutes Essen teilen, haben wir am vorhergehenden Wochenende beschlossen, den machen wir gemeinsam nieder. Gesagt, getan, geplant.


Ziemlich schnell war ich mir mit mir selber einig, wie das Menü aussehen soll:
  • grünes Schaumsüppchen im ausgehöhlten Kohlrabi mit pochiertem Wachtelei
  • Rehrücken mit Rotwein-Balsamico-Zwiebelchen, gebratene Waldpilze, Heidelbeer-Rotweinsauce und Kartoffelbaumkuchen
  • irgendwas mit Holunderblüten-Joghurt-Eis
Nur hatte ich noch nie Kartoffelbaumkuchen gemacht. Ich hab das mal irgendwo in einer Zeitschrift oder gar im Fernsehen gesehen, aber wie das richtig geht wusste ich nicht.

Da hab ich einfach mal meinen Menüplan bei Facebook eingestellt. Und alle haben mich darin bestätigt, das genau so zu machen. Und von Toni (von den 180°lern) bekam ich den Link für ein Kartoffelbaumkuchen-Rezept. Ich glaub, es war aus dem CK. Ich bin mir aber nicht sicher, da ich es einfach nur als Worddokument in meiner Rezeptesammlung abgespeichert hatte. Toni, wenn du mir den Link noch mal schickst, kann ich ihn hier noch ergänzen.

Im Hinterkopf hatte ich dann doch noch ein Waldpilz-Risotto, falls das nichts wird.

Und so hab ich mich am Samstagnachmittag an das Experiment Kartoffelbaumkuchen gewagt.

Der Herr Kampi war ja sehr skeptisch, als ich ihn in meinen Plan eingeweiht hab. Wieso ich denn nichts machen könnte, was ich kann...und unser alter Gasherd hätte ja keinen Grill...funktioniert nie!

Na danke...
Aber jetzt wollt ich erst recht Kartoffelbaumkuchen!

Das Rezept ist eigentlich ganz einfach:

Für uns fünf Personen hab ich 1Kilo Kartoffeln in der Schale gekocht, gepellt und durch die Presse gedrückt. 250Gramm Butter wurden mit 7 Eigelb (eigentlich 6, aber meine waren relativ klein) schaumig geschlagen und unter die warme Kartoffelmasse gegeben. Dann wurden die 7 Eiweiß, 100 Gramm Mehl, etwas Muskat und Salz untergehoben.
In einer mit Backpapier ausgekleideten Auflaufform dann Schicht für Schicht unter dem Grill überbacken. Jede Schicht sollte braun sein, das Ganze so lange wiederholen, bis der Kartoffelbaumkuchen die gewünschte Höhe hat... Ausstechen oder in Streifen schneiden, in Butter schwenken, fertig.

Soweit die Theorie.

Aber ihr kennt Manfred nicht, meinen Gasherd. So um die 18 Jahre alt, ohne Grill. Ober-/Unterhitze gibts auch nicht. Nur Hitze!

Also die erste Schicht, etwa 3mm hoch, eingestrichen, in den Ofen geschoben und gewartet...und gewartet und gewartet. Nach guten 10 Minuten fängt es an zu duften. Also nachgeschaut. Strike! die Schicht ist goldgelb. Also die nächste Schicht aufgebracht...und wieder warten, warten, warten...nach weiteren 10 Minuten wieder dieser köstliche Duft.
Der Vorgang wiederholte sich dann weitere 5 (oder 6?) mal.Also insgesamt hat das eine reichliche Stunde gedauert. Danach durfte das Teil dann in der Form über Nacht auskühlen.

Am Sonntag morgen hab ich es dann vom Backpapier befreit und da hat mich halb der Schlag getroffen. Die Unterseite komplett dunkelbraun. Nicht verbrannt, aber dunkel, hart und trocken.

Also doch Risotto?

Na so ganz wollte ich dann doch nicht aufgeben. So hab ich die unterste Schicht abgehoben, was relativ leicht ging, und siehe da...die nächsten Schichten waren in Ordnung. Goldgelb und saftig. Die Ränder waren zwar auch etwas dunkler, aber das hat das Innere meines Kartoffelbaumkuchens wahrscheinlich vor dem Austrocknen geschützt. Und da ich ja kleine runde Törtchen ausstechen wollte, war genug verwertbares Material da.
Die kleinen rund ausgestochenen Türmchen waren dann auch schön gemasert, genau wie man sich Baumkuchen vorstellt. Ich hab sie mit zerlassener Salzbutter eingepinselt und dann später für etwa 20 Minuten zum erwärmen in den Ofen geschoben.



Das Rehfilet hab ich ganz klassisch mit meiner Wildgewürzmischung gewürzt und nach dem Anbraten ebenfalls im Ofen schön langsam ziehen lassen, bis es innen gleichmäßig rosa war. Die Steinpilze wurden in Scheiben geschnitten und einfach nur in Butter in der Pfanne angebraten.

Die Sauce hab ich ebenfalls wie immer gemacht. Nur kurz vor dem Fertigstellen hab ich eine kleine Handvoll Waldheidelbeeren mit hineingegeben,püriert und dann mit Butter gebunden, dann ein paar zurückgehaltene Heidelbeeren noch untergerührt.

Alles zusammen mit den Rotwein-Balsamico-Zwiebeln schön auf dem Teller angerichtet. Ein Festmahl!


Als Vorspeise gab es grüne Kohlrabi-Schaumsuppe mit einem pochierten Wachtelei. Hier noch mal mein Dank an Susanne D. für den Tipp, das rohe Ei in eine gefettete Folie zu wickeln und dann für 2Minuten im Wasser zu pochieren. Absolute Gelinggarantie! Und man kann dem Ei auch noch ein bisschen Geschmack mit auf den Weg geben, entweder wie ich mit Salzbutter oder noch edler mit Trüffelöl.



Und als Nachspeise ein Holunderblüten-Joghurt-Eis auf einem Himbeerspiegel. Davon gibts leider kein Foto...vergessen. Sah eigentlich auch unspektakulär aus, schmeckte aber köstlich.

Und wir haben natürlich an einem schön gedeckten Tisch gesessen.



Ich kann allen nur zur Zubereitung von Kartoffelbaumkuchen raten, einen Backofen mit Grill vorausgesetzt. Und die Reste kann man einfach in Würfel geschnitten und in einer Pfanne mit Butter gebraten als Beilage oder zum Salat servieren. Ebenfalls absolut köstlich.

Kommentare:

Heike hat gesagt…

Sehr schön ist das geworden!

Eier pochiere ich auch gerne auf diese Art. Mit Kräutern lassen sie sich so auch schön verfeiner.

LG
Heike

Arthurs Tochter hat gesagt…

hmmm, Kartoffelbaumkuchen mag ich auch. Gerne mit Trüffelscheiben in den einzelnen Schichten.
Aber das Aufwärmen von Kartoffelgerichten finde ich immer schwierig. Hat es dem Geschmack keinen Abbruch getan, ihn am Vortag zuzubereiten und dann aufzuwärmen?

Das Pochieren von Ei in Folie macht mich nicht glücklich. Viele machen das auch mit Hühnereiern, mich stören die Falten, die sich durch die umgelegte Folie im Eiweiß bilden. Und niemals, wirklich niemals trägt Trüffelöl zur Veredlung eines Geschmackes bei! Ich lasse mir noch selbst aromatisiertes gefallen, aber industrielles Trüffelöl hat in der Regel soviel mit Trüffeln zu tun, wie eine Kuh mit Tanzen. Dann lieber das Salz! ;)

Ansonsten kann ich, die immerwiederkehrend ab dienstags bei fb Deine Hirnverknotungen bezüglich des Sonntagsmenüs begleiten darf, mal wieder nur sagen - wozu die ganze Aufregung im Vorfeld? Wie immer hast Du alles wunderbar souverän umgesetzt! :)

Kurze Frage noch? Was ist mit den Bildern passiert? Neuer Fotograf oder neues Bildbearbeitungsprogramm. Sieht alles so anders aus.

Alice im kulinarischen Wunderland hat gesagt…

Einfach phantastisch Sandra! Ich bewundere Dich immer wieder, wie Du so tolle Sachen hinzauberst. Ich würde mir das ja selber nie wirklich zutrauen ;-) der Baumkuchen ist klasse! Und dann noch die tollen Fotos von Herrn Kampi!! Perfekt!

...Frau Kampi... hat gesagt…

@Heike,
danke fürs Lob! Das mit den Kräutern ist eine gute Idee.

@AT,
ich fand das bei den Wachteleiern nicht so störend mit den Falten, da sie ja relativ klein waren und es in der Suppe gar nicht so aufgefallen ist. Bei Hühnereiern würde aber auch ich eher zur klassischen Zubereitung im Topf greifen. Für mich war die Folienmethode auch sicherer, wegen des Zeitfaktors. Es lies sich gut vorbereiten und ich konnte die Eier während ich die Suppe schon in die Kohlrabis schöpfte nebenbei pochieren.
Mit dem Trüffelöl gebe ich dir natürlich ebenfalls recht. Industrielles kommt mir nicht ins Haus. Es gibt aber viele, die das verwenden. Ich hatte es als Tipp gelesen und wollte das nur so weitergeben. Es soll einfach jeder für sich entscheiden, ob er es verwendet oder nicht.
Das Aufwärmen hat dem Baumkuchen überhaupt nicht geschadet. Im Rezept stand ja sowieso, das er nach dem Portionieren noch einmal mit Butter eingepinselt und dann in den Ofen geschoben werden solle (bzw. in der Pfanne).
Ich fand den Geschmack perfekt. Wir haben die Reste heute aufgebraten in Butter gegessen, er schmeckte immer noch gut.
Und mit den Hirnverknotungen ist das immer so eine Sache. Ich freue mich einfach, wenn ich mich mit jemandem über das Kochen austauschen kann, der mich auf neue Ideen bringt. In meiner unmittelbaren Umgebung gibt es nicht so viele Kochverrückte. Und mein Kampi ist auch nicht immer so überzeugt im Vorfeld :-)
Was du allerdings mit den Fotos meinst, weiß ich nicht. Vielleicht liegt es daran, dass M. die Fotos diesesmal nicht am Tisch sondern etwas erhöht auf unserem alten Kachelofen machen musste. Wir wollten unsere Gäste nicht verschrecken. Vielleicht hat dieser Ortswechsel dazu beigetragen, dass es diesmal etwas anders ausssieht. Ansonsten ist eigentlich alles beim alten. Selber Fotograf und gleiches Bearbeitungsprogramm.

@Alice,
naja von Zauberei kann da nicht unbedingt die Rede sein. Es ist meist harte Arbeit...sowohl körperlich als auch geistig. Aber genau das macht ja den Spaß an der ganzen Sache aus :-)
Und das Kompliment mit den Fotos geb ich gerne weiter. Danke

Schnuppschnuess hat gesagt…

Das ist ja mal wieder eine Show - Wahnsinns-Chose! Die Kartoffelbaumkuchen hätte ich gestern gut gebrauchen können, das wäre aber zeitlich nicht hingekommen. Ich glaube, ich hänge mir das Foto vom Teller über's Bett.

Manzfred bestellt Manfred schöne Grüße, höre ich gerade aus der Küche - liest der hier mit?

Arthurs Tochter hat gesagt…

vielleicht ist´s nur der schwarze Rand, der mich irritiert ;)

Toni hat gesagt…

Ach da ist ja der Bericht :). Schööön! Beim CK in der Forensuche Kartoffelbaumkuchen eingeben. Ist eines der ersten Ergebnisse.

Dzoli hat gesagt…

Reeruecken.Welches feines Stueck,da haben sich die Freunde sicher sehr gefreut.Und ide Kochin natuerlich auch:)

Marion P. hat gesagt…

Hmmmmm! Das Fleisch sieht einfach unglaublich aus! Und den Baumkuchen muss ich nachmachen! Bei Wieviel Grad hast du die einzelnen Schichten im Manfred überbacken? Und womit bestrichen (Butter)? Fragen über Fragen... dabei wollte ich doch nur ein Ravioli-Rezept bei dir suchen ;-)))