Freitag, 11. Mai 2012

Hättste...wennste...

Wenn du so ein schönes Wildschwein-Blatt aus dem Ofen holst, was so toll aussieht und schmeckt, dann  brauchst du nicht viel von dem Gemüse, für welches du dir soviel Mühe gegeben hast.


Kohlrabi und schwarzen Rettich. In grobe Streifen geschnitten. Dazu noch die Köpfe vom grünen Spargel. Schön sanft gedünstet in Butter und etwas Weißwein. Die Stangen in feine Scheiben geschnitten, mit Salz und Zucker mariniert und mit Portulaksalat zum Fleisch serviert.


Ratlos? Jetzt ist da noch viel von dem Gemüse übrig. Denn du hast ja nur das leckere Fleisch gegessen.
Du hast zwar die Spargelabschnitte und -Schalen ausgekocht. Aber was machst du jetzt damit?

Mach Suppe!

Nimm dir nen Topf. Würfel Schalotten oder das Weiße von Frühlingszwiebeln. Das gibste da rein. Mit Butter! Schön glasig dünsten, nur nicht braun werden lassen.
So wie ich dich kenne, ist noch ein kleines Schlückchen Weißwein in der Flasche. NEEEEEEE! Das wird jetzt nicht getrunken, das wird in den Topf geschüttet und darf dort sanft einköcheln.
Wenn du doof in den Topf guckst, weil von dem Rest Sonntagswein nichts mehr zu sehen ist, gibst du Kartoffeln dazu. In kleinen Würfel.

Dazu gießt du jetzt den Sud, den du aus den Schalen und Abschnitten gekocht hast. Und wenn das noch nicht genug Flüssigkeit ist, dann eben noch Fond. Am besten guten Hühnerfond, noch besser, wenn du den Topf sowieso schon auf dem Herd stehen hast.

Ist die Kartoffel weichgekocht, puhlst du aus der Gemüsemischung den Hauptteil an Rettich und dem Kohlrabi raus. Das muss jetzt mit in den Topf. Und ein wenig Petersilie. Vielleicht hast du auch Kresse.
Dann musst du tapfer sein. Normalerweise püriert man ja nichts, was Kartoffeln enthält. Das könnte ja schleimig werden. Aber du musst!!!!!!!
Allerdings nur ein bisschen.
Halte den Pürierstab in die heiße Flüssigkeit. Ganz kurz. Die Suppe soll nur ein wenig sämig sein, aber ganz viel Biss haben.

Jetzt wird es Zeit, dass das alles auch Geschmack bekommt! Würzen. Salz...klar. Vielleicht Zitronenzeste. Viel mehr ist nicht nötig.


Jetzt muss nur noch der Rest des anderen Gemüses in den Topf. Heißt, die gedünsteten Spargelköpfe mit dem Rest an Kohlrabi und Rettich, als auch die marinierten Spargelstangen (in dünnen Scheiben), die vom Salat noch übrig sind.



Hast du ein Pesto im Vorrat? Vielleicht mit Bärlauch? Dann sag schnell deinen Mitessern, dass es gleich losgeht. Und wenn du einen Fotografen hast, dann sag ihm bescheid, dass er fotografieren soll...

...denn die Suppe sieht so schön grün aus, dass du locker beim Farbenkochen mitmachen kannst! Diesen Monat hellgrün!

Und wenn du dein Rezept mit Foto einreichst, sag bescheid, dass die Kampis zu gierig waren und alles aufgegessen haben, ohne dass es ein Bild gab.
Zu blöd aber auch...

Donnerstag, 10. Mai 2012

...und weiter geht die Spargelwoche

Ich kann mich an dem köstlichen Gemüse einfach nicht satt essen, könnte es bei mir wirklich jeden Tag geben. Aber das hatte ich euch letztens schon erzählt.

Mittlerweile sind wir Stammkunden an der Spargelbude und bekommen nur noch die erstklassige Qualität.
Und so war ich auf der Suche nach einem neuen Rezept. Schließlich liebt der Herr Kampi Abwechslung auf seinem Teller.

Fündig geworden bin ich in der Essen&Trinken Mai/2012, die den leckeren Stangen mehrere Rezeptseiten gewidmet haben.

Ofenspargel mit Zitronenstreusel...das sollte es heute sein.

Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich nie nach Rezept koche. Ich nehme sie eher als Inspiration. Aber heute wollte ich dann doch mal ganz streng bei der Vorlage bleiben. Ihr könnt euch sicher den Ausgang denken, oder?

Für alle, die die Zeitschrift grad nicht zur Hand haben oder sich das Geld für den Kauf sparen wollen, tippe ich das Rezept mal schnell ab. MOMENT!


Zutaten:
Zitronenstreusel:
30gr. weiche Butter
70gr. Mehl
30gr. Zucker
1 gestr. Tl Salz
fein abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone

Ofenspargel:
1kg. weißer Spargel
Fleur de Sel
Zucker
15gr. Pinienkerne
1rote Pfefferschote
10 schwarze Oliven ohne Stein
1-2EL Chardonnay-Essig
1EL Nussöl (Hasel- oder Walnuss)
4EL Olivenöl
2 Stiele Petersilie

außerdem:
Backpapier, Bratschlauch

Zubereitung:

1. Für die Zitronenstreusel Butter, Mehl, Zucker, Salz und Zitronenschale mit den Händen zu Streuseln reiben. 1 Stunde kaltstellen. Streusel auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech streuen. Im vorgeheizten Backofen bei 170 Grad (Gas 1-2, Umluft 150Grad) auf der zweiten Schiene von unten in 15-20 Minuten goldbrau backen. Aus dem Ofen nehmen und vollständig abkühlen lassen.

2. Für den Ofenspargel den Spargel schälen und die Enden abschneiden. Die Spargelschalen und -abschnitte in einem großen Topf mit ca. 300ml Wasser, 1Prise Fleur de Sel und Zucker aufkochen und 30 Minuten ziehen lassen. Dann durch ein Sieb gießen und 80ml Spareglsud abmessen.

3. Für das Pfefferschoten-Dressing die Pinienkerne in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten. Die Pfefferschote längs halbieren, entkernen und in feine Würfel schneiden. Oliven grob schneiden.  Den abgemessenen Spargelfond mit 1/2 Tl Fleur de Sel, Essig, Nussöl und Olivenöl verrühren. Pfefferschoten, Pinienkerne und Olivenöl dazugeben.

4. Den Bratschlauch auf einer Seite zubinden. Spargel hineinlegen und mit dem Dressing auffüllen. Bratschlauch verschließen und auf ein Backblech legen. Mit einem scharfen Messer an der Oberfläche einmal einstechen. Im vorgeheizten Backofen bei 180Grad (Gas 2-3, Umluft 160Grad) auf der 2. Schiene von unten 25-30 Minuten garen.

5. Petersilenblätter abzupfen und grob hacken. Bratschlauch vorsichtig aufschneiden. Spargel auf einer vorgewärmten Platte mit dem Pfefferschoten-Sud anrichten. Mit Petersilie bestreuen und sofort mit den Zitronenstreuseln anrichten.



Soweit, so gut.

Bei den Streuseln hab ich mich ja noch ans Rezept gehalten. Und Spargel schälen kann ich auch ohne Anleitung. Aber schon beim Sud konnte ich nicht anders. Ich hab einfach einen Schluck Weißwein mit auf die Schalen gegossen, mach ich immer so.
Das nächste "Problem" war, ich hatte keinen Bratschlauch zur Hand. Aber en papillotte dürfte das ja genau so gehen.

Beim Dressing hatte ich das nächste Problem. Kein Nussöl zur Hand. Pööö...Nussöl. Hollunderblütenöl war noch. Und da dieses für mich kein Highlight ist (was ich eigentlich beim Aufsetzen erwartet hatte), und das nun langsam mal weg muss, hab ich das Nussöl eben damit ersetzt. Alles anderes des Rezeptes hab ich übernommen.

Und so kam es, dass ich mir aus Backpapier zwei Päckchen geklöppelt habe, in der Hoffnung, dass sie dicht genug bleiben und das Dressing samt dem entstehenden Sud in sich behalten und die Spargelstangen schön die Aromaten des ganzen aufnehmen.

Aber Spargel so pur ohne Sättigungsbeilage ist bei uns keine vollwertige Mahlzeit. Da könnt ich dem Herrn Kampi nicht mit kommen.

Ich hab ein paar kleine Kartöffelchen gekocht, in der Schale. Wenn du das Glück hast, einen Kartoffelbauern zu kennen oder einen Gemüsehändler, der schon die neuen im Sortiment hat, dann schlag zu!
In einer Pfanne lässt du dann ein paar Streifen Chorizo aus, in der du die gepellten Knollen noch einmal durchschwenkst.
So hab ich es jedenfalls gemacht. Was ich noch gemacht hab? Eier pochiert. Von richtig glücklichen Hühnern. Mit einem schönen Eigelb, welches seinen Namen auch wirklich verdient.





Das ganze hab ich meinem Herrn Kampi sehr liebevoll auf dem Teller angerichtet, während er das Päckchen mit dem Spargel fotografieren "musste".
 

Und soll ich dir was sagen? Vergiss die Zitronenstreusel. Die brauchst du nicht! Nicht zu diesem Gericht. Gib noch etwas fein geschnittenes Basilikum oben drauf, das verträgt sich echt gut mit den mediterranen Aromen. Viel besser, als die im Original vorgesehene Petersilie.


Und wenn du Brösel auf Spargel willst, mach die Stangen pur. Und dann hälst du es mit Arthurs Tochter und gibst Amarettini-Butterbrösel auf den Spargel!!! Die hats drauf, glaub mir.

Jetzt brauch ich nur noch eine Idee, was ich mit den Zitronenstreusel machen soll...

Dienstag, 8. Mai 2012

...Effilee+Blogger=Dinner...


...was hab ich mich in dich verliebt...

Ich, die Städte und Menschenansammlungen soooooooooooooo liebt...haha. Ich krieg ja schon Panik, wenn ich in nem Einkaufscenter steh und mir viele Leute mit unbekannten Gesichtern entgegenkommen.

Aber Hamburg ist klasse. Richtig richtig toll. Vielleicht liegt es an denen, die ich da schon letztes Jahr im September kennenlernen durfte.

Aber wie kam es dazu, dass ich, das Landei, die niemals nicht einen Städtetrip machen würde, sich innerhalb eines halben Jahres diese Stadt zweimal antut?

Eigentlich ist es kurz erzählt.
Die Zeitschrift Effilee hatte zu einem Foodblogger-Dinner mit Weinen aus dem Elsass eingeladen und aufgerufen, sich zu bewerben.
Und da ich gerade nichts anderes zu tun und auch prompt ein Gericht parat hatte, war die mail schnell verschickt.


Elsass!!! Wein!!! Genau mein Thema. Tüdellüüü....

Das einzigste, was mich mit dem Elsass verbindet, ist meine Freundin Tina. Die betreibt ein Elsass-Lokal und ich mag ihren Flammkuchen und auch alles andere, was sie kocht.
Ist doch ne gute Voraussetzung, oder?

Aber, oh Wunder, ich wurde ausgewählt, bekam den Wein zur Verkostung und kochte erfolgreich Probe.


...und dann saß ich im Zug nach Hamburg. Mit zwei dicken vakuumierten Blutwürsten (den besten, die es auf der ganzen Welt gibt) und ner ordentlichen Portion Aufregung im Gepäck.
Ich wusste nicht, was mich erwarten würde. Aber ich wusste, wer mich erwarten würde. Arthurs Tochter und Heike von Au. Und noch zwei männliche Foodblogger, die ich bis dato noch nicht kannte.

Wie gesagt, ich saß im Zug und freute mich mehr und mehr.
Ich hatte nette Unterhaltung, ein gutes Buch und eine Horde dänischer Jugendlicher, die ordentlich Rabatz machten.

Und dann blieben wir mitten in der Pampa wegen Problemen mit der Bordelektrik stehen.
Die Durchsage in Dänisch klang zwar irgendwie süß (vielleicht sollte ich diese Sprache lernen?), machte mich aber nicht wirklich entspannter.
Der angekündigte Ersatz aus Berlin, der nach 40 Minuten Frösteln auf dem Bahnsteig dann ankam, entpuppte sich als regulärer Folgezug und war dementsprechend rappelvoll. So voll, dass ich meine Fahrt in einem Gang einer vollbesetzten Bahn stehend fortsetzen durfte. Aber immer wieder Bauch einziehen, weil irgendwer durch muss, vertreibt einem auch irgendwie die Fahrt.

Dann stand ich nach 5 Stunden Fahrt im Hamburger Hauptbahnhof und konnte sogar ein wenig das für mich als Landpomeranze ungewöhnliche Gewusel der großen Stadt genießen. Ich fragte mich durch und hatte irgendwann und irgendwie mein Quartier in der St. Pauli-Lodge erreicht.

Dort erwartete man aber nicht mich, sondern Arthurs Tochter. Zumindest entnahm ich das den kleinen Schildchen an der Tür. Da ich aber wusste, dass sie anderweitig untergebracht war, ließ sich das ganz schnell mit einem Anruf und kurzer Wartezeit klären.
Und noch gar nicht richtig angekommen, lag ich Heike in den Armen und saß im Taxi zum Ort unseres abendlichen Kochwahnsinns.

Der Taxifahrer entließ uns dann mit einem groben Fingerzeig...
Und nun?
Irgendwie hatten wir keinen Plan, wo genau wir hin sollten. Die Adresse war klar: Gasthaus Möhrchen. Passte ja eine Woche vor Ostern! Nachdem uns allerdings so keiner der Passanten helfen konnte oder wollte, war unsere letzte Hoffnung der Osterhase, der da mitten auf dem Platz stand.

Ihr braucht nicht zu lachen, der stand wirklich da! Aber den Weg zum Möhrchen wusste er auch nicht.
Aber wir beiden haben uns durchgewurschtelt. Hinter einem Lieferwagen haben wir dann die Lokation entdeckt.

Und was hatten wir für einen tollen Abend! Jeder hat sein allerbestes gegeben.

Fotos by Andrea Thode

Arthurs Tochter hat sogar gebacken!!!
Am besten ihr schaut euch die tollen Fotos von Andrea Thode an. Die sagen einfach alles. Und ihr lest nach, was die anderen so darüber geschrieben haben.
Denn auch TasteBerlin aka der Straßensommellier,  Gute Gabeln, Heike und Arthurs Tochter haben diesen wundervollen Abend beschrieben.


Foto by Andrea Thode

Foto by Andrea Thode

Foto by Andrea Thode

Foto by Andrea Thode

Foto by Andrea Thode

Foto by Andrea Thode

Foto by Andrea Thode

Foto by Andrea Thode

Und nun ist es soweit.

Nachdem alle anderen ihr Heft schon Ende letzter Woche in den Händen halten durften, ist es auch bei mir angekommen. 

Kreiiiiiiisch! Endlich!

Aber nicht nur eins. Ich habe mir gleich drei bestellt. Und ich hab jetzt ein Abo. (Warum? Das lest mal bei Arthurs Tochter nach. Sie hat das sehr schön erklärt.)

Ich hab mich erst gar nicht getraut, den Beitrag sofort aufzuschlagen. Ganz bedächtig hab ich die Zeitschrift durchgeblättert. Dann die Seite 44/45. Ich schaute mir selber beim konzentrierten Anrichten auf die Finger. Ein komisches, aber zugleich tolles Gefühl, gepaart mit Stolz. Mein Konterfei, mein Blog, mein Rezept in diesem besonderen Magazin.


Ein bisschen mehr Text hätte ich mir ja insgeheim gewünscht. Aber die Bilder sagen eigentlich alles aus. Wieviel Freude uns das alles gemacht hat, wie gut wir uns sofort verstanden haben und, dass der Abend ein Abend des absoluten Genusses war.

Danke Vijay Sapre fürs Einladen und für die köstliche Eröffnung dieses tollen Abends. 

...der Chef genießt...
Foto by Andrea Thode
Danke an den großartigen Andrea Thode für die tollen Fotos, die Tipps, die Gespräche. Danke Christina Hilker für die Erläuterungen zum Wein. Danke an Heike, Astrid, Micha und Andreas fürs bekochen, helfen, loben und die nette Zeit, die wir miteinander hatten. Und ein Danke geht auch an den Elsässer Weinverband für die Bereitstellung der Weine.

Die Rezepte mit Fotos findet ihr in der Ausgabe 21. Am besten gleich im Abo!


P.S.: Ein Dankeschön geht auch noch an Kathleen - Inhaberin des Salons X-Cut und meine langjährige Freundin. Sie ist verantwortlich für mein neues Styling. Anfangs ungewohnt, aber jetzt bin ich total happy damit.