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Dienstag, 28. Januar 2014

...unter Druck...


…gesetzt hab ich mich gefühlt. Vorletztes Wochenende...und davor.
Wobei ich mir diesen  Druck, wie so oft immer, selbst gemacht habe.
Aber mal von Anfang an:
Irgendwann vor ein paar Wochen (noch im alten Jahr) hatte ich eine Mail im Postkasten von einem lieben Koch, Freund und Geschäftspartner: „ Es gibt da einen Wettbewerb bei dem Sachsens bester Hobby-Sternekoch gesucht wird.  Auf der `Internationalen Grünen Woche` in Berlin. Wäre das nichts für dich?“
Eine Weile hab ich überlegt, gereizt hat es mich irgendwie schon. Als Frau Kampi dann auch noch eine offizielle Anfrage der betreuenden Agentur bekam, habe ich angefangen mir so ein paar Gedanken zu machen. Die Vorgabe war, sich für die jeweilige Heimatregion in Sachsen zu bewerben und so viele wie mögliche einheimische Produkte zu verwenden um ein Hauptgericht in etwa einer Stunde zu kochen.
Zu allererst habe ich mir so viele verschiedenene Regionalprodukte aufgeschrieben, wie mir einfielen.  
Diese Liste war lang…sehr lang. Also habe ich den Rotstift angesetzt.
Manche Sachen habe ich sofort gestrichen. Unter anderem den Bautzner Senf…mit dem würde ja sicher jeder kochen. Liegt ja auch auf der Hand. Bei anderen Produkten habe ich mich schon schwerer getan…gerne hätte ich sie verwendet.
Aber bei einigen scheiterte es einfach an der Beschaffbarkeit. Leinsaat oder Senfkörner beispielsweise... die bekomme ich hier nirgendwo als regionale Ware.
Letztlich blieben übrig: Karpfen, Leinöl, Blutwurst, Speck und Apfelsaft. Und natürlich Äpfel und Kartoffeln, die gibt es ja überall.
In meinem Kopf hatte ich eine Idee…aber eben nur in meinem Kopf.
Einzelne Teile des Gerichts habe ich schon gekocht. Aber die Gesamtkomposition wollte ich mir bis zuletzt offen lassen, da ich ein Gericht nie mehrmals in der gleichen Art und Weise nachkochen kann und will.
Ich habe also ein Foto aus meinem Archiv geholt, was meiner Idee relativ nahe kommt und meine Rezeptvorstellung eingereicht.
Herr André Tienelt, seines Zeichens Sternekoch aus Bad Schandau,  hat sich alle Einreichungen persönlich angeschaut und die Machbarkeit und Kreativität beurteilt.

Zwischen den Feiertagen hatte ich dann auch endlich die erlösende Mail: „Sie sind dabei, sie fahren nach Berlin!“
Nachdem die erste Freude verblichen war, musste ich anfangen mir Gedanken zu machen. Werden das Kochen und vor allem das Rezept genau so funktionieren, wie ich mir das ausgedacht habe? Wie richte ich an?  Wie dekoriere ich den Teller, dass er der hochdotierten Jury gerecht wird?

Alles schwirrte in meinem Kopf. Vor allem in den Tagen vor meiner Abreise nach Berlin.
Um den Druck zusätzlich noch zu erhöhen, rief dann auch noch die „Sächsische Zeitung“ bei mir an: Wir wollen Sie mal beim kochen beobachten, wenn Sie schon Sachsens Erster Hobby-Sternekoch werden wollen.
Also gut. Hab ich eben eine Journalistin und einen hungrigen Fotografen in meiner Küche sitzen, die ich mit selbstgemachter Pasta und einer Gemüse-Thunfisch-Tomatensauce bekoche.
Jetzt hatte ich natürlich noch mehr Druck. Ein Artikel von mir in der Zeitung. Alle Welt weiß jetzt also Bescheid, dass mich der Größenwahnsinn ereilt der Ehrgeiz gepackt hat. Und dann schau ich auch noch auf der Homepage des Wettbewerbs nach und sehe, was meine Mitkandidaten so kochen werden. Na Hut ab!
So langsam wurde ich nervös.
Dann der Tag der Abreise…Samstag kurz nach dem Mittag stand meine liebe Freundin mit ihrer kleinen Knutschkugel hupend vor der Tür und wir tuckerten fröhlich plaudernd in die große Weltstadt Berlin.  Unser Motel lag mitten in der Innenstadt. Wenn wir uns aus dem Fenster im 9. Stock lehnten konnten wir ums Eck den Fernsehturm sehen.
Schon am Abend gab es ein erstes Kennenlernen der Kandidaten und der Gegebenheiten vor Ort. Die Küche wurde uns erklärt und wir durften sie von allen Seiten in- und auswendig inspizieren. Erste Fragen zum Prozedere wurden beantwortet.
Ziemlich schnell und für mich relativ früh sind wir dann aber doch in unsere Betten gesunken.
Treffpunkt am nächsten Vormittag war dann schon 10Uhr an der Küche in der Sachsenhalle. Irgendwie verspürte ich keinerlei Aufregung.  Vielmehr wollte ich jetzt endlich alles hinter mich bringen.
Ich war mit einem weiteren Kandidaten genau in der Mitte dran, zur besten Mittagszeit. So hatte ich im Vorfeld noch Gelegenheit, den beiden Erstkochenden über die Schulter zu schauen und genau zu beobachten, wie die Jury bei der Bewertung vorgeht.
Ich wartete auch sehnsüchtig auf meine liebe Eva, Doc Eva, die versprochen hatte, mir eine moralische Stütze zu sein. Kurz bevor es für mich richtig ernst wurde stand sie dann auch vor mir und ein klein wenig viel von meiner Anspannung ab. Jetzt konnte nicht mehr wirklich viel schief gehen.
Dann fange ich halt mal an zu kochen.


Denn jetzt kommt Eva mit ihrer Sicht der Dinge:

Mittendrin, aber nicht dabei:

… und wiedermal fand zum x-ten Male im Januar in Berlin die Grüne Woche statt. Als Eingeborene besuche ich sie regelmäßig. Zwar nicht seit dem sie 1926 das erste Mal statt fand (da war ich noch nicht mal ein feuchter Gedanke) - damals war sie noch national. 
Alljährlich hat die Grüne Woche seit 63 Jahren nun internationalen Charakter, der begnadete Zahlenjongleur ahnt, warum 1951 auch für mich nicht ganz unentscheidend war. Seither bestimmen im Januar grüne Lodenmäntel das Berliner Stadtbild und im alltäglichen Straßenverkehr wird unsere Geduld schon arg von zwei bis drei buchstabigen Autokennzeichen auf die Probe gestellt – Toleranz, resp. Geduld gehört ja nicht zwangsläufig zu den größten Tugenden der Insulaner.



2014 war alles anders. Ich war zwar, wie immer so oft, mittendrin.Aber dabei war Frau Kampi,  meine enthusiastische Kochfreundin aus dem kulturträchtigen und zugleich malerischen Freistaat Sachsen. Ihr wisst schon, dem mitteldeutschen Bundesland mit dem charmanten Dialekt.


Seit nunmehr zweieinhalb Jahren trifft sich täglich, rund um die Uhr, virtuell...und inzwischen auch live...eine Gruppe Kochverrückter, die sich der Kulinarik verschrieben hat, im Netz - wir Genusskomplizen vom Käptn´s Dinner. 
Frau Kampi trat an zur Kompetition: Ran an den Herd! Sachsens ersten Hobby-Sternekoch-Wettbewerb.
Bereits Wochen vorher habe ich mein Ergometer gequält (oder es mich?) und damit die Kameras aufgeladen („mehrere 24er Filme besorgt“), die Bleistifte angespitzt und die Seiten auf meinem Notebook sauberradiert. 
Ich schlug pünktlich und von Frau Kampi, glaube ich, sehnsüchtig erwartet in der Sachsenhalle auf... immer den Ohren nach, den trällernden Sachsenlerchen auf der Spur. Und wie das Leben so spielt (wenn man seit fast 10 Jahren inzwischen in der Hobbykochszene rumeiert), auch W. war am Start – man kennt sich eben. 
Frau Kampis Aufregung war ihr nicht so anzumerken, wie sie sich für sie sehr wahrscheinlich angefühlt hat. Mit ihrer souveränen Schnitttechnik wurden aus Kartoffeln, Äpfeln, Brot-, Speck- und Blutwurstscheiben etc. kleinste Würfelchen.



Die Töpfe dampften, die Pfannen glühten, genau ihr Ding. 



Am besten ließ sich das von oben betrachten. 

Topfkamera


Das schmerzfreie Messepublikum zeigte sich mit seinen vorwitzigen Griffeln wieder mal in absoluter Drängellaune und begrapschte, was nicht bei Drei in der Pfanne lag. 
Dessen ungerührt klärte meine kreative Akteurin immer wieder ihr Mise en Place auf. 
Schlussendlich hatten es alle Komponenten vom Karpfen mit Meerrettich-Panade, Kartoffel-Apfel-(Ri)sotto, Leinöl-Speck-Sauce und Blutwurst-Brösel auf die vorbereiteten Teller locker in der vorgegebenen Zeit geschafft.


Mein persönliches Résumé:

Ich fand das Gericht wunderbar, es war sehr zart und fein aufbereitet, herzhaft und zugleich rustikal - hochmoderne aber gleichzeitig traditionelle regionale Deutsche Küche! 
Das Sorgenkind, der bereits vorziselierte Karpfen, (Gräten ziehen klappt da ja nicht mehr wirklich gut) hielt sich bedeckt. 



Das Kartoffel-Sotto hatte durch die im Wein enthaltene Säure einen haptisch sehr schönen Biss, 


die großartig gewürzte Blutwurst verlieh dem Gericht eine prickelnde Spannung.



Sogar der gefürchtete Speckschaum hielt weitestgehend seinen Stand, da er als Sauce deklariert war -  unproblematisch. 
Ich hätte ihr von ganzem Herzen den Sieg gegönnt. 



Leider spielt Fisch, hier Süßwasserfisch, im Leben der deutsch Karnivoren (oder vielleicht Juroren) immer wieder und oder noch die zweite Geige.



Ganz herzliche Gratulation zur Vize Hobby-Sterneköchin Sachsens 2014, liebe Frau Kampi 




 
Danke Eva...ich übernehme wieder:

Seit dem ich mich vom Herd verabschiedet hatte, war mir klar, wer den Wettbewerb gewonnen hat. Und genau so ist es gekommen: der Hischkalbsrücken ist der Favorit der Jury. Verdient!
Eine Vielzahl an Komponenten auf dem Teller, perfekt in Farbe und Geschmack aufeinander abgestimmt. Ich ziehe meinen Hut davor, bei einem solchen Wettbewerb Klöße aus gekochten Kartoffeln zu machen. Wohl gemerkt, es durfte nichts vorbereitet werden. Nicht mal die Kartoffeln durften vorher geschält werden. Dann waren da noch gebratene Pilze, Brotchips, Wirsingröllchen gefüllt mit Wirsing und eine geniale Heidelbeer-Schwarzbiersauce auf dem Teller. Das Fleisch war perfekt gebraten und dem Publikum ist bestimmt nicht aufgefallen, dass die Siegerin ganz schön improvisieren musste. Denn wenn man im Kopf hat aus den bestellten Knochen eine Sauce zu ziehen, diese besagten Knochen aber am Wettbewerbstag nicht im Kühlschrank sind, kommt man doch irgendwie ins schwimmen. Aber wie gesagt, dem Publikum ist das sicher nicht aufgefallen...der Jury schon. 

Und so stehen alle Finalisten am Montagmittag auf der Bühne, neben dem sächsischen Ministerpräsidenten, dem Landwirtschaftsminister und werden von einer Horde Fotografen geknippst.
Mit Stolz geschwellter Brust vernehmen wir die Worte der Jury: sie hätten bei manchem Profi-Koch nicht so gut gegessen, wie bei uns. 
Die Siegerin wird, wie gesagt für mich wenig überraschend, bekanntgegeben und jeder erhält einen riesigen Präsentkorb, der mich vor ein noch riesigeres logistisches Problem stellt: wie soll ich den, meinen Koffer, meine Handtasche und meine Messertasche und noch einen Rucksack vollgefüllt mit Produkten nur in der Bahn nach Hause bekommen?
Diese Entscheidung wird aber erst einmal vertagt...vielleicht auch verdrängt...oder vielleicht auch in dem ein oder anderen Glas Wein versenkt. Denn jetzt wird angestoßen!

Irgendwann lässt mich allerdings die Neugier nicht mehr los und ich suche Herrn Nebrich, Mitglied der Jury auf. Schließlich will ich ja dann doch noch ein Feedback bekommen. Ich wollte ja nicht letzte werden.
Hier erst einmal die Kriterien, nach denen bewertet wurde:

Folgende Punkte mussten beachtet werde:

*1.     Sachgerechte Zubereitung                 max 5 Punkte-------------
2.     Planvolle Zeiteneinteilung                  max 5 Punkte-------------
3.     Sauberkeit                                          max 5 Punkte-------------
4.     Geschmack                                        max 10 Punkte-----------
5.     Harmonie der Zutaten                        max 5 Punkte-------------
6.     Konsistenz                                         max 5 Punkte-------------
7.     Optik/Präsentation der Speise           max 5 Punkte-------------
8.     Regionalität der Zutaten                    max 5 Punkte-------------


Und hier sein Statement zu meinem Gericht:

*Wir haben uns als Team es sich nicht leicht gemacht, und da ist meistens das Problem einer Jury,
wie ist sie zusammen gesetzt, und wie werden somit einzelnen Kriterien bewertet.
Erste einmal haben sie knapp den Sieg verpasst. Dies ist schon einmal sehr klasse.

Bewertet wurden

Arbeitsweise
Sauberkeit
Speisenzusammenstellung
Einzigartigkeit
Anrichtungsweise
Geschmack
Aussehen - Farbenspiel


Der Fisch war leider zu trocken und es hat ein wenig an Farbe gefehlt.
Wildkräuter, Spinat, Brennessel, Feldsalat oder Petersilie in der Sauce hätten alles raus gerissen.
Also einfach hinein mixen.
Die Zusammensetzung des Gerichtes war einfach toll

*Quelle by Volkhard Nebrich

Und auch Sternekoch André Tienelt hält mit seinen Tipps nicht hinterm Berg:

*Folgendes würde ich bei Ihrem Gericht modifizieren:
- nehmen Sie lieber Granny Smith Äpfel (auch wenn diese nicht regional sind), diese besitzen deutlich mehr Säure und bringen damit mehr Spannung
- ersetzen Sie die Kruste lieber durch ihre Blutwurst-Mischung, so hatten Sie zweimal Panade bzw. Weiß/Toastbrot
- verwenden Sie lieber heimischen Zander, dieser hat mehr Eigengeschmack und kann so besser mit der Blutwurst konkurrieren (bei einem Karpfen laufen Sie immer Gefahr das dieser "schlammig" schmeckt)
Und zu guter letzt etwas mehr Mut zur Schärfe, greifen Sie ruhig etwas beherzter beim Meerrettich zu ;-)


Nachfrage meinerseits zur Sauce. Antwort:

*Die Sauce war in der Tat sehr gelungen!! ... Geben Sie lieber Mee(h)r Sauce!! Mein alter Lehrmeister sagt immer: "die Sauce macht das Gericht"
Gerichte mit viel Sauce schmecken deutlich gehaltvoller als ohne, denken Sie an Schmorbraten, Rouladen, Frikassee .... Diese würden ohne eine gute Sauce nur halb so gut schmecken.

*Quelle by André Tienelt



Danke! An Herrn Nebrich für die ehrlichen Worte...daraus habe ich mir für mein weiteres Kochen sehr viel mitgenommen.
Danke! An Herrn Goßler, der mir/uns mit seiner tollen Art die Aufregung genommen hat und mit seiner witzigen Moderation so manchen Patzer überbrückt hat.
Danke an Sachsenküchen! 
Danke an Heimrich&Hannot für die Organisation und die Betreuung vor Ort.
Danke an das tolle Publikum, welches mich mit Fragen gelöchert, mich verunsichert und nervös gemacht hat und dennoch so aufgeschlossen war, dass es keinerlei Reste in den Töpfen und Pfannen gab...und auch nicht mit Lob gespart hat.
Danke an Herrn Tienelt vom "Restaurant Sendig" dafür, dass ich mit meinem Rezept am Wettbewerb teilnehmen durfte. Ich hoffe, dass Sie noch ein kleines Statement abgeben werden, obwohl Sie im Moment viel unterwegs sind. Und ich hoffe auch, dass Sie alsbald die Flutschäden in Ihrem Restaurant beseitigt haben und wieder zufrieden Gäste mit Ihren Kreationen glücklich machen können!

Und ein ganz großes DANKE an alle Mitkandidaten. Ihr ward toll! Es hat mir unheimlich Spaß gemacht, euch kennenzulernen und gegen mit euch zu kochen!!!!!!!!!!
Ich hoffe sehr, dass wir uns irgendwann noch einmal über den Weg laufen...


Noch mehr von der "Grünen Woche" findet ihr bei Doc Evas dental-food


 





Sonntag, 12. Mai 2013

Metro...die dritte

Die Metro hat wieder angeklopft. Kochherausforderung. Ich bin wieder dabei.

Irgendwie macht es mir einen Riesenspaß die gefüllte Kiste in Empfang zu nehmen und darin zu stöbern. Wie bei den letzten beiden Male galt auch diesesmal: Alle Zutaten MÜSSEN verwendet werden...es kann aber auch etwas ergänzt werden.
Und wie bei den letzten beiden Male fängt mein Gehirn schon im Markt an zu rattern.
Das war auch von Nöten, war doch dieser Warenkorb einer, der es in sich hatte.


Ein französisches Freilandhähnchen, Filo-Teig, Ingwer, Babyspinat, Cocktail-Rispentomaten, La-Ratte-Kartoffeln, persisches Blausalz, Arganöl, eine Flasche Riesling, eine Mango sowie eine Dose Mango-Filets...
... Fertig-Pesto...
...UND...haltet euch fest!
...ein ganzer Eimer Ahoi-Brause! 100 Tütchen...gemischt in den Geschmacks(?)richtungen Himbeer, Waldmeister, Orange und Zitrone...

Zuerst hab ich laut gelacht und um kurz danach ratlos im Auto nach Hause zu sitzen. Hatte ich mir für diese Runde doch fest vorgenommen, alle Zutaten in ein Gericht zu packen und so wenig wie möglich zuzukaufen. Das konnte ich jetzt knicken.
Mit dem Fertig-Pesto konnte ich gerade so leben, aber das Brausezeugs machte mich sprachlos.
Ein neuer Plan musste her. Eine Nacht drüber geschlafen. Eine kreative Badewanne genommen. Einen groben Fahrplan gestrickt. Los gings.

Mein Plan war jetzt folgender:
Wenn schon Ahoi-Brause, dann richtig! In drei Gängen! Euch werd ichs zeigen!


Das allerwichtigste beim Kochen ist die Vorbereitung:

Das Huhn wurde von Herrn Kampi in seine Einzelteile zerlegt. Da ich sowieso gerade einen Hühnerfond auf dem Herd stehen hatte kamen die Karkassen gleich mit dazu. Die Hühnerkeulen wurden noch einmal in Drumsticks und Oberkeule zerteilt, welche auch gleich vom Knochen befreit wurde.
Beide Hühnerbrüste wurden mit Haut beiseite gelegt, ebenso die Flügelchen.

Spinat gewaschen. Weißer und grüner Spargel (zugekauft) wurden geschält und getrennt in feuchten Tüchern beiseite gestellt. Kartoffeln in der Schale gekocht.

Verschiedene Tests mit dem Brausepulver...ist es süß? Wie verhält es sich in Öl? Wie schmeckt es pur? Was passiert auf der Zunge, wenn ich es mit Salz mische?


So langsam näherten Ahoi und ich uns an.


Die Vorspeise:

Je ein Stück grüner Spargel auf die gesalzene Innenseite der zwei Hähnchen-Oberkeulen legen, einrollen und mit Küchengarn zu einer kleinen Roulade fixieren, rundum in einer Pfanne sanft anbraten und danach im vor sich hinziehenden Hühnerfond pochieren.
Den Rest Grünspargel quer in Stücke schneiden in einer anderen Pfanne in Olivenöl sanft braten, dabei salzen. Der Spargel sollte keinesfalls Farbe annehmen, sondern einfach nur im eigenen Saft und dem Öl bissfest garen.
Ein halbes Tütchen Himbeer-Ahoi mit drei Esslöffeln Arganöl mischen. Zusätzlich dazu noch ein mildes Dressing aus Argan- und neutralem Öl, etwas Weißweinessig, Zucker und Fleur de sel anrühren.

Die Fleischröllchen aus dem Fond nehmen und noch einmal in der Pfanne rundrum anbraten, damit die Haut nicht mehr latschrig ist (ein typisch sächsischer Begriff - ich hoffe ihr wisst, was ich meine)
da traut sich doch der Spargel, frech aus dem Röllchen zu guggen
Den Spargel auf Tellern anrichten, dabei die Spitzen schön sichtbar ausrichten. Ein paar der Babyspinat-Blätter darüber verteilen und mit dem Dressing beträufeln. Das Fleisch in Scheiben schneiden. Obenauf ein paar Tropfen der Brause-Öl-Mischung verteilen und servieren.

Die Überraschung kommt beim Essen! Da sich das Brausepulver im Öl nicht auflöst, entfaltet es seine Wirkung erst auf der Zunge. Zuerst fängt es an zu britzeln, danach verbindet sich alles ganz intensiv im Mund und man kann die einzelnen Komponenten sehr gut schmecken. Ganz zum Schluss kommt noch ein wenig von der Himbeere nach, ohne penetrant aromatisiert daher zu kommen.


Die Hauptspeise:

Ich schaute nach, was sich noch so im Kühlschrank verwertbares fand. Der Rest Ziegenfrischkäse schrie nach Verarbeitung, also schnell mit ein paar Löffelchen von dem Fertig-Pesto-Zeugs gemischt.
Dieses Etwas im Glas hat mit Pesto genau so wenig zu tun, wie ein Liegestuhl an ner Straßenbahn-Haltestelle mit Urlaub. (ich mach meine Pesti selbst, das ist nicht schwer. Wenn es schnell gehen soll mit dem Pürierstab. Aber wenn ich Zeit habe und es besonders fein werden soll, dann im Mörser!)
Das Glas war nunmal im Warenkorb, also muss etwas davon verwendet werden.
Genug vom Babyspinat war ja da. Ein paar feine Streifen und etwas fein gehackte Petersilie kamen noch zu der Masse dazu.
Herr Kampi hatte die kleinen Filets abgetrennt und danach in die großen Fleischstücke eine Tasche geschnitten. Da hinein kam jetzt etwas von der Mischung. Mit Rouladennadeln wurde die Öffnung verschlossen und das Fleisch beiseite gestellt.

Die Haut der Drumsticks hab ich mit den Fingern vorsichtig gelöst und zwischen Fleisch und Haut ebenfalls etwas der grünen Cremé gegeben, die Haut wieder sanft übergezogen und ebenfalls mit Rouladennadeln fixiert.


Die Keulchen wurden, genau wie die Flügel nur mit Salz und Pfeffer gewürzt und danach in der Pfanne rundum goldgelb angebraten. In einer flachen Form wurde das Fleisch sanft gebettet auf etwas Thymian und Knoblauch, mit ein paar halbierten Tomaten und etwas vom Hühnerfond und wanderte dann bei mäßiger Hitze in den Ofen.

Ich war mir relativ unschlüssig, ob ich denn eine Sauce zum Essen reichen wollte. "Vielleicht wird das zu viel...oder vielleicht schreit das ganze auch danach..."
Letztlich entschied ich mich dafür. 
Zwiebelwürfel im Bratenfond des Fleisches anschwitzen, mit etwas vom Riesling ablöschen, ein paar Scheibchen Ingwer dazu, Brühe angießen...ziehen lassen. 


Und wenn doch über die gesamte Kochzeit zu viel Flüssigkeit wegdampft, immer wieder mit Fond aufgießen und abwarten. So ne richtig tolle Sauce braucht außer guten Zutaten nur eins: ZEIT!
Da ich noch einen Rest der Füllung übrig hatte, hab ich den kurz vor dem Servieren und binden mit Stärke  untergemixt. Aber wirklich erst in letzter Sekunde, sonst wird die Chose Sauce unansehnlich. 

Dann noch der Spinat, der braucht ja nicht viel Aufmerksamkeit. Feucht in die Pfanne "geschmissen" fällt er einfach zusammen, wird gesalzen und beiseite gestellt.

Mittlerweile stand  mein ganzer Herd mit Töpfen und Pfannen voll und ich hatte schon ein kleine wenig die Orientierung verloren, was ich denn jetzt noch aus dem Warenkorb verarbeiten müsste und was ich als nächstes tun sollte.

Ach...der weiße Spargel! 
Nur, wo bereite ich den denn jetzt zu? Kochen definitiv nicht! Schon seit Jahren koche ich keinen Spargel mehr. Bei mir gehört der in der Pfanne sanft angebraten. So wird er niemals bitter und durch seinen natürlichen  Zuckergehalt kommt sein eigenes Aroma so richtig zur Geltung.

Allerdings, kein Platz mehr auf dem Herd. Also packte ich die Stangen in einen Bratschlauch. Zusammen mit einem Löffel Butter, ein paar dünnen Scheiben Zitrone und Thymian.
Herr Kampi, der immer wieder interessiert fotografierend in die Küche lugte, dachte, ich hätte nicht gesehen, dass er sein Gourmet-Näschen rümpfte. Das ignorierte ich großzügig. Freund der Zubereitung in diesem Müll verursachendem Plastikteil bin ich nicht wirklich, aber es war gerade jetzt die beste Lösung.


Ich brauchte den Platz auf dem Herd ja für eine heiße Pfanne für die gefüllten Hähnchenbrüste. Auf der Hautseite zuerst angebraten, dann gewendet, kamen die Fleischstücke zu den Flügeln und Keulen in den Ofen. Der Bratensatz wurde mit etwas Brühe abgelöscht und kam zum Saucenansatz.

Somit war die Pfanne und eine Flamme frei, die halbierten Kartöffelchen in Butter anzuschwenken.


Schon in meiner Vorbereitungsphase hatte ich ja experimentiert, wie sich das Blausalz zusammen mit Brausepulver auf der Zunge verhält. Das Salz ist sehr intensiv und wird durch das im Mund aufschäumende Natriumhydrogencarbonat in seinem Geschmack noch einmal verstärkt. Im Mischungsverhältnis 1:1 kamen also Orangen-Brause und Salz zusammen.

Ein Blick in den Ofen: das Fleisch ist fertig. Alle Beilagen auch servierbereit, die Sauce mit der Schmorflüssigkeit aus dem Ofen aufgegossen, abgeschmeckt und gebunden.
Alle Beilagen? Nicht ganz! Fast hätte ich die Tomaten vergessen. Ein paar waren ja schon Begleiter des Fleisches im Ofen. Der Rest kam jetzt in eine Pfanne mit Olivenöl, Thymian und Knoblauch. Nur zum Warmwerden.


Zum Anrichten kam die Blausalz-Brause-Mischung über das Fleisch.
Und auch hier war das Mundgefühl der Hammer!




Die Nachspeise:

Wenn schon ein Menü, dann mit einem süßen Abschluss. Dessert ist ja nicht so mein Spezialgebiet.

Von den Zutaten war ja fast alles verarbeitet.Was noch übrig war? Die frische Mango und die Mangofilets aus der Dose.

Meine spontane Idee war: Eis. Nicht umsonst ist doch Luigi Unoldi (meine Eismaschine) ein Mitglied der Familie Kampi.
Frisch aus der Maschine gegessen braucht es für Eis nicht einmal ein Rezept.

Die Mangofilets aus der Dose hab ich in einem Sieb abtropfen lassen und den aufgefangenen Sirup mit ein paar Ingwerscheiben auf kleiner Flamme etwa eine Stunde ziehen und danach abkühlen lassen. Eine halbe Dose Kokosmilch und drei bis vier der Filets zugeben und alles pürieren. In der Eismaschine zu einem cremigen Eis/Sorbet rühren.

Die frische Mango hab ich halbiert und für jeden von uns zwei gleichmäßig große Würfel geschnitten. In einer Schüssel kamen fein geschnittene Minze, gestoßene rosa Pfefferbeeren, etwas Zitronenbrause und die Würfel zusammen.

Die restlichen Filets aus der Dose sind dem Pürierstab zum Opfer gefallen.

Ihr lest doch hier aufmerksam mit? Oder etwa nicht?

Dann müsste euch aufgefallen sein, dass eine Zutat aus dem Warenkorb noch gar nicht in der ganzen Zutatenliste erwähnt und also auch noch nicht verarbeitet wurde...

Na? Wer kommt drauf?

Ja klar! Ich wusste, dass ihr es bemerkt! Der Filoteig.

Mein erster Gedanke, und auch das einfachste, wäre es gewesen, einen  Strudel zu backen. Eis dazu, Fruchtpürree und fertig. 
Aber so leicht mach ich mir das ganze dann auch nicht.

Also musste die Nudelmaschine ran:
den Teig in, für die Maschine verwertbare, Stücke schneiden und mit dem Spaghetti-Aufsatz in feine Streifen schneiden.
In der Hand ein Nest aus den Teigfäden formen, einen Mangowürfel damit ummanteln  und sofort in nicht zu heißem Butterschmalz goldgelb ausbacken, auf einem Küchenkrepp abtropfen lassen und mit ein wenig feinem Zucker bestreuen.


Alle Komponenten zusammen anrichten, dabei eine Spur Zitronen-Brausepulver auf den Teller streuen.



Und auch hier war das Britzeln genau das, was die Aromen noch verstärkte.
Herr Kampi musste mich doch glatt für das Dessert loben...und das, obwohl er so gar nix süßes mag und sowieso der Meinung ist, dass ich da immer kläglich versage.

Aber auch ich war begeistert von mir. Irgendwie hat mir diese Metro-Box besonders viel Spaß gemacht.Das nächste mal bin ich sicher wieder dabei (wenn ich darf) 

Ebenfalls dabei sind:

Alice im kulinarischen Wunderland
nur das gute Zeugs
from snuggs kitchen
Penne im Topf
Lunch for one
Obers trifft Sahne
moeys kitchen
Shermins magischer Kessel

P.S.: Ende Mai gibt es dann eine Zusammenfassung auf dem METRO-Genussblog.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Metro, die Zweite...zum Zweiten

...puh!
Die ersten Zutaten hab ich eliminiert. Und ich war so richtig in meinem Element, nach der Vorspeise.

Jetzt wollte ich nicht nur kleckern! Sondern so richtig klotzen. Ich wollte nicht eine Hauptspeise auf den Teller bringen, sondern gleich drei! Ein Schweinedreierlei! Mit Pfifferlingen! Jedes Einerlei vom Dreierlei mit Pfifferlingen quasi...

Zum ersten dachte ich da an ein Carpaccio. Nagut, eigentlich dachte der Herr Kampi an ein Carpaccio. Und ich hab die Idee gerne aufgegriffen.
Da aber ein richtiges Carpaccio, also rohe Fleischscheiben vom Schwein nicht möglich sind (soweit ich weiß, sollte man Schweinefleisch nicht roh verzehren), hab ich mich eher am Vitello tonnato orientiert. Und da ich die italienische Sprache so mag, hab ich diesem Teil der Hauptspeise folgenden Titel gegeben:


Porco con finferli

Klingt gut, oder?

Die Pilze hatte ich ja schon vorbereitet. Ihr habt doch den letzten Post richtig gelesen? Nagut, wenn nicht, dann hier nochmal:

...kleinschneiden, in einer heißen Pfanne anbraten, salzen, geditschen Knoblauch und gemörserte Fenchelsaat zugeben. Dann in ein Schraubglas mit Rosmarin-Zweigen und Zitronenschale geben, mit Olivenöl aufgießen und im Kühlschrank vergessen für die nächsten zwei Tage...

Eigentlich ist das mein Standard-Rezept für eingelegte Steinpilze zu Pasta (hier schon mal beschrieben).

Brauchen wir jetzt noch das Fleisch dazu. Das hab ich in einem kräftigen Hühnerfond, gewürzt mit Fenchelsaat, Lorbeer, Chili, Piment, etwas Yuzu  etwa 20 Minuten pochiert und in Folie eingewickelt im Kühlschrank abkühlen lassen.


Dünn aufgeschnitten kamen die marinierten Pilze obenauf und ein paar frittierte Kapern (womit ich auch die aus den Füßen hatte)



Jetzt brauchen wir den zweiten Teil des Hauptgangs. Eher rustikal, fast ein deutscher Klassiker. Ihr erinnert euch? Weißkohl sollte auch verarbeitet werden. Was lag also näher, als Krautrouladen zu machen:


Krautrouladen von Duroc und Pfifferlingen

Dafür hab ich den Strunk aus dem Kohlkopf geschnitten und ihn mittels einer Fleischgabel in kochendes Wasser getaucht, immer und immer wieder, bis sich die äußeren Blätter lösten. Diese hab ich dann noch weiter in kochendem Wasser weichgekocht und in Eiswasser abgeschreckt. 
Für die Füllung hab ich die dünnen Filet-Spitzen abgeschnitten - einfach, damit die Fleischstücke für die weitere Verarbeitung schön gleichmäßig dick waren. Der Herr Kampi hat die Würfel mit Hingabe durch den Wolf gelassen. 
Jetzt kamen die Pfifferlinge der Kategorie "muss weg" ins Spiel. Die wurden fein gewürfelt, in einer Pfanne angebraten und etwas abgekühlt zum Hackfleisch gegeben. Ebenso eine Handvoll des gekochten Camargue-Reis und etwas feingeschnittene Zwiebel. Gewürzt wurde alles nur mit Salz, Pfeffer und einem Esslöffel Senf (können wir hinter dieser Zutat auch einen Haken machen).

Um schöne Krautrouladen zu erhalten, muss der Strunk unbedingt aus den blanchierten Blättern geschnitten werden. Ein reichlicher Esslöffel Füllung drauf und einwickeln. Wer das schon paar mal gemacht hat und ein klein wenig geschickt ist, braucht die Wickel weder zu binden oder anderweitig in ihrer Form zu fixieren. Beim Anbraten einfach an der Nahtstellen anfangen und beim wenden etwas vorsichtig sein.
Ich wollte sie nicht allzu braun angebraten. Nicht so, wie ich sie von zu Hause her kenne. Da wurde dem Kraut ordentlich Farbe in der Pfanne gegeben.
Nein, meine sollten etwas feiner sein. So durften sie nur leicht goldgelb werden und wurden anschließend in eine flache Auflaufform umgebettet. Der Bratenansatz in der Pfanne wurde mit dem Fond des Porco abgelöscht und zu den Röllchen gegeben, die jetzt bei sanfter Hitze im Ofen gar ziehen durften.




Dann brauchen wir also noch unseren dritten Teil des Schweinerlei-Dreierleis. Ich hab mich für ein gefülltes Filet entschieden:


Schweinefilet mit Pfifferlingsfüllung

Aus der Pfifferlings-Sortierungs-Kategorie "kann noch" hab ich mir ein paar der schönsten kleinen Pilze für die Dekoration zu Seite gepackt und den Rest wie bei den Krautrouladen gehackt und in einer Pfanne mit etwas gehacktem Thymian angebraten. Gewürzt mit Salz und etwas Parmesan.
In das Filet durfte der Herr Kampi mittig ein Loch bohren. Ganz vorsichtig hat er das gemacht.
Und da er das Fleisch auch grad in den Händen hielt, hat er es gleich mit der erkalteten Pilzmischung gefüllt. Von allen Seiten angebraten durfte es dann im Ofen seiner Vollendung entgegensehen.


Derweil hatte ich Zeit, die anderen Komponenten des Hauptganges in Angriff zu nehmen.


Spaghetti-Kürbis
 

Bevor ich alle Fleischteile überhaupt in den Ofen geschoben hatte, hab ich schon den längs halbierten und entkernten Spaghetti-Kürbis im heißen Rohr gegart. 


In unserer tollen Facebook-Gruppe (Käptn´s Dinner) hatte ich um Tipps zur Zubereitung gebeten. Da kam wirklich alles. Ich war so verwirrt, dass ich am liebsten dem Hinweis gefolgt wäre, das Teil auszuhöhlen, ne Fratze reinzuschneiden und mit einem Teelicht zu beleuchten.
Und das erst recht, als ich den Kürbis aus dem Ofen geholt hab! Nix mit Kürbisfäden ähnlich Spaghetti! Das Ding müsste Suppen-Nudel-Kürbis heißen. Denn genau so kurz waren die Fasern. Und im Geschmack wie roh gehobelte Kartoffeln. 


Aber dadurch ließ ich mich nicht entmutigen! Jetzt nicht mehr! Egal was passiert, ich zieh das Ding durch.
Also eine Pfanne erhitzt, das Kürbisgedöns mit Butter darein, mit etwas Milch aufgegossen und mit Salz und Muskat abgeschmeckt einfach unbeachtet weiter ziehen lassen.


Denn wir brauchen ja noch unbedingt eine Sauce:

Rotwein-Hibiscus-Sauce

Die ist, obwohl sie so unkompliziert ist ein Bringer. Einfach ein Drittel des Rotweins in einer Kasserolle soweit reduzieren, bis ein dickflüssiger Sirup übrig bleibt. Am besten funktioniert das in mehreren Schritten. Dann etwa die Hälfte des Hibiscus-Sirups aus dem Glas angießen. Den Bratensatz vom gefüllten Filet hatte ich mit etwas Pochier-Fond abgelöscht und ebenfalls zum Saucenansatz gegeben. 


Jetzt einfach weiter sanft vor sich hinköcheln lassen und noch ein klein wenig reduzieren. Ganz zum Schluss, vor dem Servieren, schön mit kalter Butter aufmontieren. Und das abschmecken nicht vergessen!


Bis jetzt hab ich schon ordentlich von den Sachen aus der Kiste weggekocht. 
Doch dann kamen mir die Datteln in den Sinn. MIST! 
Eigentlich waren sie das Einzigste, was ich noch nicht verarbeitet hatte. Und Dessert wollte ich nicht.

Kurz musste ich nachdenken.

So ein Gericht braucht doch noch irgendwas anderes an Beilage, dachte ich mir. Der Spaghetti-Kürbis ist ja ziemlich neutral. Vielleicht ein Krautbett für die Kohlroulädchen?  
Warum denn nicht?


Dattel-Weißkohl

Dafür ein Teil des verbliebenen Krauts in feine Streifen schneiden und in Butter sanft dünsten. Damit es nicht zu sehr Farbe annimmt, mit einem Schluck Weißwein ablöschen und garziehen lassen. Kurz vor dem Servieren mit etwas Salz würzen und mit  den in Streifen geschnittenen Datteln vermengen. Als Bett unter den Rouladen anrichten.


Das Anrichten der Teller war dann nur ein Klacks! Ich hatte mir die Reihenfolge schon in etwa auf meinem Schmierzettelchen aufgezeichnet. Nur der Herr Kampi fluchte, weil ich mal wieder meine gaaaaaanz langen Teller aus dem Schrank geholt hab.
Aber wenn das hier schon eine Herausforderung für mich war, sollte er ja nicht außen vor bleiben! Er wollte sich kurzzeitig aus der Verantwortung ziehen und hatte den Tisch liebevoll gedeckt.

Tischdeko mit Wein
Und die Tellerfotos hat er natürlich auch hinbekommen, wie ihr sehen könnt:



Herr Kampi war von den Socken! Dem Junior hat es auch toll geschmeckt. Und ich war fix und fertig. Und glücklich! Alle Komponenten hatte ich irgendwie untergebracht. Zufrieden konnte ich mich jetzt zurücklehnen. Fertig!