Samstag, 8. März 2014

...am Aschermittwoch ist alles vorbei...


Ehrlich...ich bin nicht böse. Ich bin kein Faschings-, Karnevals-, Fastnachtsmensch. Das ganze Rumtata und Trallala geht mir auf den Schnürbeutel Nerv.
Wir sind hier zwar keine Faschingshochburg. Aber den TV brauchste in der Zeit nicht anschalten!

Ok, ich gebe zu, dass ich jedes Jahr in meinem Heimatort zum Weiberfasching gehe. Aber nicht der Verkleidung wegen. Sondern aus Lokalpatriotismus. Kleines Schönstes Dorf...1000 Einwohner. Vielleicht auch ein-/zweihundert mehr. Jeder engagiert sich und ist dabei. Nicht nur im Karnevalsverein.
Der Zusammenhalt ist grandios. Und sie stellen ein tolles Programm auf die Beine. Immer witzig, zum schreien komisch. Niemals beleidigend oder unter der Gürtellinie. Eher erotisch-kreativ-originell.
Aber das nur mal am Rande.

Und dann ist doch am Aschermittwoch alles vorbei.
Nicht nur die närrische Zeit...nein, bei mir beginnt an dem Tag die fleischlose Zeit.
Seit vier Jahren verzichte ich bis Ostern darauf. Und auf Wurst.  Und Speck...nicht nur im Kartoffel-Pürree.  Und mittlerweile auch auf jegliche Form von Fonds, die aus Huhn, Rind, Wild oder ähnlichem hergestellt sind.
Meine Familie teilt das nicht so ganz, aber das macht mir nichts aus.

Ich schreibe bewusst nicht Fasten.
Fasten ist noch einmal eine andere Geschichte. Arthurs Tochter fastet. Konsequent. 

Seit Mittwoch esse ich fleischlos...

Also dachte ich mir, dass ich Tofu mal eine Chance geben sollte.
Tofu...
Ich hab das ja noch nicht so oft probiert, aber ich kann mich damit nicht anfreunden.
Auch wenn mir hier einige sicher auf die Füße treten wollen...
Ich frag mich immer wieder: wenn ich kein Fleisch mehr essen will/kann/muss, warum muss dann ein Ersatzprodukt her? Etwas, das aussieht wie Fleisch, riecht wie  Fleisch und, im besten Fall, auch noch so schmeckt.

Egal. Ich hab das Zeugs gekauft und muss nun durch.

Mein erster Versuch ist ein Gyros. Für meine Familie mit "richtigem" Fleisch...für mich die Tofu-Variante.
Baaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah! Nie wieder! Hätte ich doch nur auf meine innere Stimme gehört! Zwiebeln und Paprika-Streifen gewürzt und angebraten. Mit Tzatziki und Fladenbrot. Und Krautsalat. Aber dieses schwammige Etwas muss doch nicht sein!

Egal. Tofu ist für mich kein Fleischersatz! Und auch nichts, was ich in meiner fleischlosen Zeit brauche.
Aber jetzt hatte ich ihn nun mal im Haus und er sollte auch verarbeitet werden.

Meine Idee...Buletten!
Die kann man ja aus vielen Sachen machen. Warum also nicht auch aus Tofu und co.

Gesagt...getan.

Was braucht eine richtig gute Bulette? Geschmack.
Da kein Fleisch , muss der Geschmack und die Konsistenz woanders her kommen. Was kommt dem Fleischgeschmack nahe????? Champignons. In kleinen Würfeln in der Pfanne gebraten.
Und die Konsistenz? Linsen! Die Hülsenfrüchte taugen für mich wirklich als Fleischersatz.


Und so hab ich meine Buletten gemacht:

Gekochte rote Linsen, mit geriebenem Tofu und eingeweichtem Brötchen zu gleichen Teilen mischen.
Champignons klein würfeln und anbraten. Zusammen mit fein geschnittetenem Zwiebellauch und geriebenem Parmesan unter die Masse heben.
Würzen mit Kreuzkümmel, Paprikapulver, Chili, Thymian, Salz und Pfeffer. Für die Bindung ein Ei und Semmelbrösel nach Bedarf.
Aus der Masse mit feuchten Händen Buletten formen und in einer Pfanne goldbraun braten.




Bei uns gabs die kleinen Scheißerchen Buletten mit Kartoffelpü und Krautsalat. Meine Männer durften zwischen der Fleisch- und der Veggie-Variante wählen (ihr braucht jetzt nicht raten, welche die bevorzugte war).
Der Kater hatte Appetit. Und bettelte so lange, bis er ein Stückchen abbekam. Ich lach mich immer noch weg, dass es ihm so gut geschmeckt hat, dass er nach mehr verlangt hat. Ob er gar  nicht bemerkt hat, dass es KEIN Fleisch war?

Mir haben sie jedenfalls sooooooooooooo gut geschmeckt, dass es ein nächstes Mal gibt. Und dann mit Mango-Chutney und Salat. So wie mir im "Käptns Dinner" geraten wurde.

Und es gibt sogar ein Linsenevent! Das ist hier also mein Beitrag.

Blog-Event XCVI - Linsen (Einsendeschluss 15. März 2014)

Dienstag, 4. März 2014

...Futter für die Seele...

...Soulfood. Genau das wünscht sich Bushcooks kitchen.


3 Jahre Bushcooks Kitchen - Blog-Event Winter-Soulfood


Seelenfutter. Ich denke nach. Was ist das genau?

Wie der Name sagt...
Die Seele streichelnd, das Herz wärmend, den Geist erweckend. Vielleicht schreit genau jetzt, in diesem Winter, der kein solcher war, alles danach.

Ich hätte damit umgehen können, wenn wir tief eingeschneit gewesen wären. So richtig mit Frost...der Teich vor der Haustür so fest gefroren, dass ich die Schlittschuhläufer neidisch beobachtet hätte. So lange, bis auch ich mich aufs Eis gewagt hätte. Dann hätte ich Glühwein getrunken. Oder Punsch. Mit lieben Freunden. Auf dem Eis. Oder daneben. Oder sonst irgendwo.
Der Schnee hätte in der Sonne geglitzert. Und wir hätten uns die kalten Nasen gerieben.

Aber dieser Winter war ein Frühling. Oder eher ein Schwebezustand. Und auch der Frühling war sich bis vor kurzem nicht wirklich schlüssig, ob er wirklich einer werden will.

Und so denke ich nach, was ich kochen könnte. Was meine, und auch die Seele, das Herz und alles andere meiner Lieben erwärmen könnte.
Da kommt mir nur eins in den Sinn.
Suppe.
Kartoffelsuppe!

Ich mach also die Tür meines Kühlschranks auf. Was ist drin?

Ein Paprika-Kartoffel-Pürree. Rest von einem Sonntagsessen. Das hast du nicht? Aber vielleicht hast du ja ein Kartoffelpü. Oder zumindest einen kleinen Rest von eben jenem. Und etwas (selbstgemachtes/n) Ajvar. Misch beides und mach es auf dem Herd warm. Damit es Suppe wird gib Milch dazu und etwas Wasser. Oder Brühe, wenn dein Vorrat gut bestückt ist. Und wenn deine Seele verlangt auch Sahne.
So eine kleine Spur Chili ist schön, wenn du Schärfe magst und verträgst. Und ein frisches Lorbeerblatt tut einer Kartoffelsuppe immer gut.
Alles sollte sanft köcheln, damit sich die Geschmäcker schön verbinden. Schmeck die Suppe mit Salz ab.

Wenn du jetzt noch ne halbe Paprika und eine kleine Zucchini im Kühlschrank hast, kannst du da noch echt Pfiff reingeben.

Jajaa...Paprika und Zucchini sind nicht wirklich Gemüse, die im Winter Saison haben. Weiß ich doch!
Aber Hand aufs Herz. Du hast wirklich im Winter noch nie ne Paprikaschote gekauft? Na, dann Hut ab. Dann hast du aber sicher noch eingelegte aus dem Sommer im Vorrat! Gut! Dann nimm davon!
Auf jeden Fall sollte die Paprika keine Haut haben. Verdaut sich besser. Und von dem Zucchino entfernst du das weiche Kerngehäuse. Beides schneidest du in kleine Würfel und gibst ihnen zusammen mit etwas Thymian in einer Pfanne etwas Schmackes. Nicht weichdünsten, -kochen, -braten! Die Würfelchen sollen unbedingt schön knackig bleiben.

Eigentlich wars das jetzt schon.

Eigentlich. Aber so ne kleine Fleischeinlage wäre jetzt doch noch was für deine Seele?

Dann geh mal zu deinem Fleischer/Metzger des Vertrauens. Der hat doch sicher eine gute grobe Bratwurst. Eine, die du im Sommer auf den Grill legst und die dich einfach so glücklich machen kann.
Dann nimm zwei dieser Würste mit, press den Inhalt aus der Pelle, würze mit etwas Szechuanpfeffer, frischem Thymian und Knoblauch, drehe kleine Kügelchen und brate die in einer Pfanne ganz sanft an. So ein ganz klein wenig sollten sie rundum goldbraun werden. Und dann gib sie in dein Süppchen und lass sie durchziehen.

Jetzt richtest du alles in einem Tellerchen an. Die Gemüsewürfel schön obendrauf...



Und jetzt nimm dir einen Löffel und hau rein genieße! Und sei einfach glücklich und freu dich auf den nahenden Frühling!
Er steht vor der Tür!




Samstag, 15. Februar 2014

...auch ein Huhn hat ein Herz...


Mal Hand auf ebensolches...was vom Huhn kommt auf den Tisch? Brust...sanft und saftig gebraten.
Keule...herrlich geschmort mit Orange. Beides gut.
Das ganze Huhn...wunderbar mit krosser Haut. Noch besser! Müssen wenigstens keine Teile nach Afrika geschippert werden.

Aber was ist denn eigentlich mit dem Rest? So ein Vogel wird doch nicht als hohle Hülle geboren? Da ist doch noch was drin! Da geht doch noch mehr. Magen, Leber, Herz und Nieren zum Beispiel.

Gut, ich bin ein Kind vom Lande. Und ich habe schon immer Innereien geliebt. Einfach, weil auch das zu den Tieren gehört und keiner am Tisch IIIIIHHHHHHHHHHHH, BAAAAAAAAAAHHHH oder ÄÄÄÄÄHHHHH gesagt hat. Es gehörte schon immer zum Speisepan, fertig. Gegessen wurde, was auf den Tisch kommt.

Mindestens einmal im Jahr wurde ein Schwein geschlachtet und dabei durften wir als Kinder zuschauen, wie alle Teile des Tieres verwertet wurden. Ich hatte weder Probleme damit, der Verwurstung zuzuschauen, noch die rohe Masse von Blut- und Leberwurst zu verkosten. Und sobald es das frische Fleisch aus dem Kessel gab, war ich die erste, die bei Niere, Leber, Ohr oder Schnauze ganz laut HIER schrie.
Bei uns zu Hause gab es auch die besten geschmorten Nierchen, die ich kenne. Nix mit süß/sauer. Sondern einfach nur mit ganz viel Zwiebel. Noch heute könnte ich direkt die Pfanne auslöffeln, wenn ich zu meinen Eltern komme und es danach duftet.


Also hab ich mir gedacht, es wird Zeit, dass auch mal wieder die weniger edlen Teile in meinem Kochloch verarbeitet werden sollten.


Also Herzen. Passend zum Valentinstag.
Und da eben jener in diesem Jahr auf einen Freitag fiel, welcher hier in BIW auch Wochenmarkt-Tag ist, führte mich mein Einkaufsgang gleich zum Wagen vom Geflügelhof. Und der hat wirklich alles mit, was so ein Geflügeltier so an und in sich hat.
Auch Hühnerherzen.
Dieser Muskel ist wirklich mehr, als Hunde- oder Katzenfutter. Auch wenn dass Kater Luciver irgendwie anders gesehen hat und solange Klimmzüge am Küchentisch vollführt hat, bis auch er sein Bisschen abbekommen hat (ich verspreche, dass er nächste Woche eine Portion ganz für sich alleine bekommt).

Ich war mir nicht wirklich sicher, ob meine Familie meine Begeisterung für Innereien teilt und hab erstmal nur eine (große) Handvoll genommen.

Und was mach ich jetzt damit? Ich könnt ja mal wieder in der weltbesten Facebook-Kochgruppe nachfragen, da hat mit Sicherheit mindestens einer ne Idee (jajajajaaaaa...der Drops liest sich ausgelutscht...aber bist du da schon Mitglied und kannst wirklich mitreden?)
Ich hab gefragt, gelesen und dann doch irgendwie mein eigenes Ding gebastelt.

Die Herzen muss man nicht großartig putzen, das Fett darf ruhig dran bleiben. Nur geviertel hab ich die Stücken. Bei einigen war noch etwas geronnenes Blut drin, welches sich aber recht leicht entfernen lässt.




Eine Pfanne auf dem Herd wurde heiß...richtig heiß. Rein mit den Fleischteilen und richtig schön anbraten. Rundum. Dann in Streifen geschnittene Schalotten dazu. Reichlich. Mindestens die Hälfte der Menge vom Fleisch. Und ne halbe Paprikaschote, klein gewürfelt (und für mich enthäutet). Ne Knoblauchzehe und ein Sträußchen Thymian. Ein klitzekleines Löffelchen Tomatenmark.
Abgelöscht hab ich mit rotem Port und aufgegossen mit etwas Fleischbrühe.


So wirklich lange schmoren muss das ganze nicht. Innereien eignen sich auch ganz gut zum Kurzbraten. Etwa 20 Minuten hatte ich das ganze auf der Flamme.


Ich wollte gerne Pasta dazu...Bandnudeln. Von meinem Pastateig habe ich ja schon mehrfach berichtet.  Hier könnt ihr nochmal nachlesen. Immer mit Pasta-gries und -Mehl und nur Ei...vielleicht ein paar Tropfen Wasser.

Noch ein Tipp, für alle, die gerne ihre Pasta selber machen. Es braucht wirklich keine großartigen Trocknungsgestelle. Wenn die Pasta durch die Maschine gedreht ist, einfach nur mit Pastagries bestreuen, mit den Finger auflockern und auf einem mit Gries bestreutem Holzbrett bis zur Verwendung aufbewahren. Ich lass die Nudeln auch gerne genau so vollständig durchtrocknen.


Die Pasta wird im Salzwasser ganz normal gegart.
Das Herzragout habe ich final noch einmal abgeschmeckt. Wenn du es nachkochst, machs wie ich. Nimm eine feingemahlene Mischung aus Kubeben- und Szechuan-Pfeffer. Das ist echt der Hammer!!!!

Wie es meiner Familie geschmeckt hat?
Ich konnte gerade noch ein paar Fitzelchen Nudeln und etwas vom  Ragout sichern, um ein Foto zu machen.
Und Herr Kampi meinte, dass ich das durchaus wieder mal auf den Teller bringen sollte. Das macht mich jetzt schon ein bisschen stolz.

sehr lecker und passend war das Petersilienöl mit etwas Zitrone

Also, ein Herz für Tiere...und alle, die auf Nachhaltigkeit stehen. Bitte bitte verschmäht die "weniger edlen" Teile nicht!Sie schmecken gut. Und noch dazu kosten sie für den Genuss nur ein Bruchteil von Filet oder Keule!