Dienstag, 29. März 2011

Warum tu ich mich dieses mal nur so schwer?

Ich hab echt keine Ahnung, warum ich mich dieses mal so schwer tue, das sonntägliche Mittagsmahl zu posten. Ich weiß es wirklich nicht. Eigentlich sollte das ganze ja schon am Sonntagabend hier stehen.

Mensch, es hat doch geschmeckt! Sehr gut sogar. Und das, obwohl es Karpfen war. Karpfen den ich eigentlich gar nicht mag.

Der Herr Kampi hat manchmal so einen richtigen Heißhunger drauf, um hinterher festzustellen, das es doch reicht, den Fisch ein bis zweimal im Jahr zu essen.

Aber der Süßwasserfisch hat bei uns hier eine sehr lange Tradition. Die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ist wie der Name schon sagt, sehr wasserreich. Alleine in und um  mein Heimatdorf gibt es drei große Teiche, die früher und zum Teil auch heute noch zur Fischzucht und-haltung bewirtschaftet wurden und werden.

Ich hab mal wikipedia bemüht, um folgendes herauszufinden:
Die Teiche wurden wohl ursprünglich angelegt um Wasser für die Mühlen zu speichern. Und als Nebenbewirtschaftung wurden sie mit Fischen besetzt. Diese dienten dann gerade in der Fastenzeit der Ernährung des Adels. Und natürlich später auch der Bevölkerung.
Die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ist eines der größten Karpfenzuchgebiete Deutschlands.

Schon als Kind war für uns das Abfischen der Teiche im Herbst ein wahres Fest, wo wir durch die schlammigen Restlöcher wateten, in der Hoffnung, dass doch noch ein Fisch den Netzen entkommen konnte. Und umso größer die Freude, wenn es geklappt hatte. Meist waren die dann aber viel zu klein, um schon in Topf oder Pfanne zu landen. Dann wurde eben einer gekauft.
Und ich erinnere mich auch noch gut daran, dass dann für mehrere Tage die Badewanne besetzt war, damit der Karpfen ohne Nahrung noch ein wenig in frischem Wasser schwimmen durfte. Denn frisch gefangen ist er ungenießbar. Er hat dann einen schlammigen, fast muffigen Geschmack.
Und wenn er dann zubereitet wurde, meist blau- also im sauren Wurzelsud gegart, war er auch nicht so meine Welt.
Ich habe es in den vielen Jahren seit meiner Kindheit immer wieder versucht, das nussige Aroma, von dem viele schwärmen, herauszuschmecken.Ist mir nie gelungen.
Und ich konnte mich auch meist der Zubereitung entziehen, wenn es M. danach gelüstete.

Aber da ich im Moment immer noch auf Fleisch verzichte und mir nicht doch noch den Zorn meiner Familie einhandeln will, bin ich dem Wunsch des Herrn Kampi nachgekommen, ein Karpfengericht zuzubereiten.

Es musste nur so schmackhaft und würzig sein, dass auch ich das ganze mögen und essen wollte.

Als erstes stand die Beilage.
Draufgebracht hat mich Robert von lamiacucina mit seinem Post zum Kartoffelrisotto mit Radieschen. Da ich auch schon welches gemacht habe, fand ich das ganz angemessen als Begleiter.
Ich hab es auch ähnlich wie er zubereitet, hab allerdings den Rahm weggelassen, ebenso den Rucola.
Als Fond hab ich einfach die Karkassen des Fischs ausgekocht, mit Wurzelgemüse und Lorbeer, und mit etwas Hühnerjus abgerundet.

Der Herr Kampi hat mir ja das Tier wieder ordentlich ausgelöst. Und auch gleich noch ein wenig das Fleisch eingeschnitten, da es sehr grätenreich ist und diese so fein und verästelt sind, dass man eigentlich keine Chance hat, diese vorher irgendwie zu entfernen.

Aus dem restlichen Fischsud habe ich mit Zitrone und Weißwein eine Sauce gekocht, die ich dann vor dem Servieren mit Zitronenzeste und frisch geriebenenMeerettich abgeschmeckt habe und mit Ei legiert habe. Bevor sie auf den Teller kam, hab ich sie noch mit einer ordentlichen Portion Kräuterbutter veredelt und mit dem Pürierstab aufgeschäumt.

Und der Fisch? Den hatte der Herr Kampi mit Zitronensaft und jeder Menge Salz mariniert. Auf meinen skeptischen, ja fast mürrischen Blick erwiderte er, das habe er so gelesen. Das Fleisch solle dadurch etwas fester und nicht mehr ganz so wabbelig sein. Naja, dann geben wir dem Herrn Kampi mal recht und harren der Dinge, die da kommen.

Nach einer halben Stunde Einwirkzeit hat er das ganze dann aber doch abgespült...

Ich hab in der Zwischenzeit eine Kruste gerührt. Aus Kräuterbutter, ordentlich Meerettich und Semmelbrösel. Zwischen zwei Lagen Frischhaltefolie platt gewalzt und zum festwerden ins Gefrierfach gegeben.

Der Fisch wurde dann nur noch mit Salz und Pffer gewürzt und in der heißen Pfanne zuerst mit großer Hitze auf der Hautseite angebraten. Dann mit weniger Hitze kurz auf die Fleischseite gedreht. Nur ganz kurz. Dann kamen die Stücke nebeneinander in eine flache Form, wurden mit der in Stücke geschnittenen Kruste belegt und im Ofen fertiggebacken.

Bis jetzt sind die Konsistenzen der einzelnen Teile noch sehr ähnlich. Die Radieschen bringen dem Kartoffelrisotto noch nicht genug Crunch. Da ich aber ein paar Kartoffeln zuviel geschält hatte, hab ich mich entschlossen, ein paar Chips auszubacken. Dafür habe ich eine Knolle ganz fein gehobelt und im heißen Fett ausgebacken. Die ersten waren noch etwas dunkel, aber bei der zweiten Ladung hatte ich dann den Dreh raus.
Diese dienten mir dann als kleines Topping auf meinem Teller.
Auf den Fisch habe ich noch ein wenig Kresse gestreut. Fürs Auge, aber auch für den senfigen Geschmack.


Und wisst ihr was? Das Karpfengericht hat wirklich sehr gut geschmeckt. Ob die Salz-Zitronenmarinade was gebracht hat, kann ich nicht wirklich sagen, da mir der vergleich fehlte. Aber der Fisch war auf den Punkt gegart und das fleisch überhaupt nicht glitschig oder wabbelig. Und die Meerrettisch-Kräuterkruste hat ordentlich Aroma abgegeben. Das Kartoffelrisotto war auch schön knackig.  Die Radieschen gingen ein wenig unter. Wahrscheinlich waren es auch zuwenig. Die Sauce hat das alles schön umschmeichelt, vom Geschmack fast wie eine Remoulade.


Und ihr glaubt gar nicht, wieviel Chips man aus nur einer Kartoffel rausholen kann. Da ich noch zwei geschälte in der Küche rumliegen hatte, hab ich daraus noch mehr gebacken. Ich hab sie nicht nur mit Salz, sondern auch noch mit scharfem Pimenton de la Vera gewürzt.
Und hab nicht einmal welche davonbekommen. Der Herr junior hat sie alle verputzt, als wir zum Nachmittagsspaziergang waren.


Das nächste mal werde ich versuchen sie im Ofen zu backen. Dann werden sie vielleicht nicht gaz so fettig und auch die Küche riecht nicht so nach Frittiertem.


Und siehe da, jetzt hab ich doch wieder ne ganze Menge geschrieben...
Was ich nur immer wieder habe. War doch gar nicht so schwer.

Donnerstag, 24. März 2011

Ein schönes Mädchen ist schnell verlassen, eine gute Köchin nicht...

Diesen Satz hab ich am letzten Freitag auf dem Wochenmarkt von einer älteren Dame gehört, als ich beim Geflügeldealer in der Schlange stand, um den Gockel für das sonntägliche Mahl zu besorgen. Ich musste schon sehr schmunzeln. Noch mehr, als sie dann noch anfügte, dass sie ja schon über 40 Jahre verheiratet sei.
Gut, ob das an ihren Kochkünsten liegt, kann ich nicht beurteilen, aber irgendwie hat sie recht, oder?

Ich hab euch ja angedeutet, dass ich diese Woche mit meiner Posterei etwas das Programm umgestellt hab. Ich hoffe ihr seid mir nicht allzu böse.
Gestern hab ich euch ja schon den Mund etwas wässrig gemacht, wie ich den zahlreichen Kommentaren entnehmen konnte.
Ihr habt ja auch schon fleißig geraten, was dahinter stecken könnte. Aber so richtig richtig gelegen habt ihr nicht. Deshalb werde ich das Gehaimnis mal lüften.

Das Mittagsmahl bestand diesmal aus Vor- und Hauptspeise.

Als Hauptgang gab es den Gockel, der eigentlich ein wunderschönes goldgelbes Maishuhn war.
Das hat mir der Herr Kampi erstmal ordentlich in Brust und Keule zerlegt. Die Karkasse wanderte dann in den Topf, um daraus einen wunderschönen Fond zu kochen, der dann auch die Grundlage für die Sauce bildete.
Unter die Haut hab ich ordentlich Kräuterbutter geschoben, die Teile dann angebraten, etwas Gemüse in der Pfanne angeröstet, mit Wein und dem Fond aufgefüllt und mit einer zerteilten Orangeund etwas Knoblauch und Lorbeer in den Ofen geschoben.  Nachdem die Brüste fertig geschmort waren, durften sie in Alufolie gewickelt auf die Keulen warten.
Die Sauce durch ein Sieb gegeben, etwas einreduziert, mit Butter gebunden und fertig.

Dazu gabs Bandnudeln aus eigener Herstellung. Das bewährte Rezept. Wobei ich diesmal eine ordentliche Portion Pimenton de la Vera untergemischt habe. Das ergab nicht nur eine schöne orange-rote Farbe, sondern einen herrlichen fast Chorizo ähnlichen Geschmack.


Passte super zu dem Huhn. Für die Farbe auf dem Teller gabs dann noch ne Portion frischen Spinat aus der Pfanne dazu, der mit selbstgemachter Kräuterbutter abgeschmeckt wurde.

...da konnte einer nicht warten und hat schon genascht

Das Hauptgericht alles in allem nicht sonderlich spektakulär, wobei mir der Pastageschmack aber wirklich gut gefallen hat.

Aber die Vorspeise war das Highlight. Super toll im Geschmack, frisch, würzig...Und optisch ein Kracher. Habt ihr ja schon bemerkt.


Und total easy vorzubereiten.
Das Originalrezept stammt von Cucina Piccina, da hieß es Meerettich-Buttermilch-Pannacotta.

Ich hab mich eigentlich zu fast 100% an das Originalrezept gehalten. Deshalb schreib ich das gleich mal ab:

4 Blatt weiße Gelatine
25 g frischer Meerrettich
250 ml Buttermilch
150 ml Schlagsahne, Salz
Blütenpfeffer (nach Belieben)

1. Für die Pannacotta die Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Meerrettich schälen und fein (fein!) reiben. Meerrettich, Buttermilch und 100 ml Schlagsahne verrühren. 2. Die restlichen 50 ml Schlagsahne in einem kleinen Topf erwärmen. Von der Kochstelle nehmen. Die Gelatine ausdrücken und unter Rühren in der warmen (nicht zu heißen) Sahne auflösen. Die Gelatine-Sahne-Mischung nun unter die Meerrettich-Buttermilch rühren. Kräftig salzen. In 4 Förmchen füllen, mit dem Blütenpfeffer bestreuen und abgedeckt mindestens 4 Stunden (oder über Nacht) kalt stellen.

Kleine Änderung meinerseits:
  1. Blütenpfeffer hatte ich nicht --> weggelassen
  2. die Sahne vor dem Mischen leicht schaumig geschlagen -->sorgte für den nötigen Fluff und deshalb war es dann auch mehr eine Mousse als eine Panna Cotta
  3. das ganze im Eiswasser vorsichtig kalt gerührt, bis es anzog, damit ich dann eine ordentliche Portion Kresse unterheben konnte und diese sich gleichmäßig verteilte
In Espressotassen verteilt, durften die dann über Nacht kalt stehen. Am Sonntag hab ich die Förmchen in heißes Wasser getaucht und die Mousse auf Teller gestürzt. Dazu hab ich dann ein paar Scheiben rotfleischige Forelle gereicht, die ich schon einige Tage zuvor so gebeizt hab:
 
2 frische Forellenfilets (a`125-200 gr.) mit der Pinzette entgräten und mit der Hautseite nach unten in eine flache Schale legen.
4 Wacholderbeeren, 1Tl Koriandersaat, 5 Pfefferkörner im Mörser grob zerstoßen.
1Tl Zucker (ca. 8 gr.)und 1El Meersalz (ca.12 gr.)zufügen, fein zerstoßen und über dem Fisch verteilen.
1Bund Dill hacken und ebenfalls auf den Fisch streuen.
Den Saft ½ Zitrone und einige Spritzer Holunderblütensirup (ich verwende gern auch Holunderblütenlikör statt des Sirups… Gin geht aber auch! Notfalls ganz weglassen!) über den Fisch geben.
2 Orangen schälen( Bio-Orange mit Schale) in Scheiben schneiden und auf den Fisch legen. Bei der rotfleischigen Forelle nehm ich am liebsten Blutorangen.
Abgedeckt und eventuell beschwert im Kühlschrank mind. 12 Stunden ziehen lassen. 
Zum Servieren in dünne Scheiben schneiden.


Dazu gab es dann einige in sehr dünne Scheiben geschnittene Radieschen, die mit einer Vinaigrette aus Blutorangensaft, Olivenöl, Rotisseur-Senf, Salz, Pfeffer und Zucker angemacht wurde.



Frühlingsfrisch das ganze auf dem Teller, das hat uns sehr gefallen. Das Wetter passte ebenfalls dazu.
Und da der Frühling hoffentlich noch lange dauert, werde ich das Ganze sicher noch mal machen... Vielleicht als Teil des Kampi-Geburtstags-Büfett, mal sehen.

...zum Appetit holen...