Dienstag, 14. Dezember 2010

da stellen wir uns mal janz dumm...

...wat isn Dampfmaschin?

Kennt ihr den noch? Feuerzangenbowle. Mit Heinz Rühmann. Ein uralter Klassiker.

Ich weiß aber auch noch einen.Auch uralt. Auch ein Klassiker. Nur leider etwas in Vergessenheit geraten.

Steckrübe!

Da stellen wir uns mal janz dumm... wat isn Steckrübe? Ein Steckrübe ist ein kleines rundes Kullerding. Naja, so klein nun auch wieder nicht. Aber rund. Und lecker.

Ich habe mal wikipedia bemüht und herausgefunden, dass man sie auch Wruke, Kohlrübe und Erdkohlrabi nennt. Sie ist sehr nahrhaft und reich an Carotin, Vitamin B1, B2, C; Provitamin A und außerdem durch den hohen Anteil an Wasser kalorienarm.


Oft war sie in Notzeiten das einzige was noch zur Verfügung stand. Deshalb wird der Winter des Jahres 1916/17 auch als Steckrübenwinter bezeichnet.

Aufgrund von Nahrungsmittelknappheit galt sie als Basis für zahlreiche Gerichte, unter anderem Marmelade, Sauerkraut und sogar Kaffee.  Es gab sogar Steckrübenkochbücher.

Aber trotz der Lebensmittelverknappung blieb sie in der Bevölkerung sehr unbeliebt, was ihren bis heute schlechten Ruf begründet.

Zu Unrecht. Ich find sie lecker. Ich hab schon vor ein paar Jahren Gänseschmalz gemacht, mit Grieben aus Steckrübe. Mir hats sehr gut geschmeckt. Vielleicht sollte ich dieses Rezept mal wieder aus der Versenkung holen. Die Zeit des Gänseschmalzes kommt ja jetzt wieder.



Und letzte Woche war mir auch mal wieder nach der ollen Knolle. Und Apfel wollte ich dazu haben.


Aber eigentlich wusste ich nicht so richtig, was ich damit anfangen soll. Da hab ich Herrn (oder Frau) Google bemüht und bin bei "essen&trinken" fündig geworden. Nur so als Anregung hab ich das Rezept benützt und herausgekommen ist eine Art  

Himmel und Erde

Dazu hab ich 150gr. der geschälten Rüben gewürfelt. Einen Esslöffel Zucker in einem Topf karamellisieren lassen und mit einem Glas Weißwein ablöschen. Dann die Rübenwürfel in den Topf werfen und bei geschlossenem Deckel 15 Minuten kochen, zwei in ebenfalls kleine Würfel geschnittene, feste, leicht säuerliche Äpfel (ich hatte grad Elstar im Haus) zugeben und nochmal 5-10 Minuten köcheln.Mit Salz und ganz viel getrocknetem Majoran würzen.

In der Zwischenzeit hab ich einen Kartoffelstampf gemacht, den ich kurz vor dem Servieren mit reichlich frisch geriebenem Meerrettich verfeinert habe.
Und der Herr Kampi hatte am Tag zuvor eine unheimlich spitzenmäßig schmeckende geräucherte Blutwurst von unserem Lieblings-Hausschlachte-Wurst-produzierendem-Fleischer mitgebracht, die ich in Scheiben geschnitten, bemehlt und in Butter sanft gebraten habe. Das Originalrezept sah eine Ei-Brösel-Panade vor, die mir aber zu schwer geworden wäre und sicher auch den feinen Wurstgeschmack zugedeckt hätte.


Und  zum Essen kann sich jeder nach Belieben noch mehr oder weniger Meerrettich über das Ganze hobeln. Der ist genau richtig für die Erkältungszeit, da er reichlich Vitamin C enthält und leicht antibiotisch wirkt.

So jetzt aber Schluss mit diesem Oberlehrer-Getue
(da schließt sich doch wieder der Kreis zur Feuerzangenbowle)
 

Alles in allem ein unheimlich leckeres, unheimlich schmackhaftes und ebenso unheimlich preiswertes Alltagsgericht, welches sicher in einer ähnlichen Form wieder auf dem Tisch der Familie Kampi landen wird.

Kommentare:

Peter hat gesagt…

Kampi, setzen! Eins!

...Frau Kampi... hat gesagt…

Danke Peter, dass du mich am morgen dazu gebracht hast, schallend zu lachen!

Karin hat gesagt…

Peter, da steh ich voll dahinter !!!!
Sandra da hast Du mich wieder an ein Kindheitsessen erinnert, war leider in Vergessenheit geraten.
Allerdings wurde es von meiner Oma nicht mit Steckrüben gekocht, aber ich kann mir das sehr gut vorstellen. Steht schon auf meiner " Nachkochliste "
Zum Glück haben wir auch so einen Schlachter, an der Blutwurst kann es bei uns also auch nicht scheitern.
Steckrüben wurde bei meiner Oma immer als Eintopf mit Mettenden gekocht. Für meinen Vater kamen noch Pfötchen und Öhrchen mit rein.
Wenn es frische Nieren gab, wurde die in Streifchen geschnitten und auch mit gegart.
Ich habe mir als Kind dann immer die Nierchen " geklaut " :-)

Suse hat gesagt…

Jaja,selbst die das Aschenbrödel des Wintergemüses vermag in hellem Glanz zu erstrahlen.
Mir gefällts.

Toni hat gesagt…

Und ich hab gedacht, bei Dir gibt's jetzt Feuerzangenbowle. Aber Steckrübe ist auch fein!

bolliskitchen hat gesagt…

dank Deines Bildes weiss ich jetzt auch, wie man im dt. die rutabagas nennt, finde aber den frz. Namen witziger....

Arthurs Tochter hat gesagt…

ich fände ja auch den Namen Wruke in keinster Weise passend zu diesem schönen Gericht!
Frau Kampi wird ohne Tadel in den nächsten Jahrgang versetzt.

...Frau Kampi... hat gesagt…

@Karin,
ja Nierchen mag ich auch. Bei mir auch eine Kindheitserinnerung.
@Suse und Toni,
welch Lob gerade von euch. Wo ich doch immer neidvoll schaue, was ihr so superduperextratolles immer wieder zu Stande bringt.
@bolliskitchen,
der franz. Name gefällt mir echt gut.
@Lehrerin AT,
danke für das gute Zeugnis