Sonntag, 5. September 2010

Stress...

...ich oute mich jetzt mal hier: Ich bin ein Stresskoch!!!

Ja wirklich, wenn ich Stress habe, muss ich kochen. Und dabei entstehen die besten Sachen.
Nicht nur, dass ich das schnippeln und hacken und rühren und brodeln zum Stressabbau brauche. Nein, wenn ich im Stress bin, entstehen die besten und kreativsten Sachen. Sowohl im Job, aber auch ganz besonders beim Kochen.

Gut, ich kann auch gut Menüs planen. So mit "Regieanweisungen" und Zeitplan und allem Pi, Pa, Poooo!
Ich mach das gern! Wirklich.
Wochenlang zerbrech ich mir den Kopf. Habe Aromen auf der Zunge, denk mir Kombinationen aus, verwerfe wieder. Und beginne von vorn.
Ich liebe das!

Aber so aus dem Bauch raus, unter Stress...
...ist mein Ding!!!
Stress macht mich wirklich kreativ!

Und heute hatte ich Stress.
Nicht, weil ich den ganzen Tag in unserer Verkaufsbude auf einem Event auf unserem Hausberg gestanden habe. Nein, ich komm nach Hause und da hat es niemand für nötig gehalten, mal für Ordnung zu sorgen. Da steht man allein den ganzen Tag im kalten und freut sich auf seine Badewanne und dann muss man noch aufräumen, die Spülmaschine ent- und bestücken und die Einkäufe wegräumen.

War so eigentlich nicht angedacht. Und Sonntag muss ich noch einmal den ganzen Tag in unserer Verkaufsbude stehen. Fehlinformation und Fehlplanung der Chefseite. Aber ich arbeite im Familienbetrieb, und da ist das von Nöten.

Aber unser Sonntagsessen ist damit auch erledigt. Und das, wo ich doch den Wildschweinrücken schon aufgetaut habe.

Und so blieb mir nichts anderes übrig, als die Badewanne Badewanne sein zu lassen und das gute Stück Fleisch noch am Abend zu verarbeiten.
Ich hatte ja schon ein wenig eingekauft. Am Freitag, bei meinem Lieblings-Markt-Gemüse-Händler (der begrüßt mich neuerdings schon mit Handschlag und duzt mich!!!).


Den Wildschweinrücken hab ich ausgelöst und erst mal (wieder)einen Fond aus den Knochen gekocht.
Dann hab ich meine im Vorrat befindlichen, restlichen, getrockneten Waldpilze pulverisiert und mit Butter, Semmelbrösel, zerstoßenem Wacholder, gehackten Kräutern zu einer Masse verknetet, in einen Gefrierbeutel gegeben, flach gewalzt und tiefgefroren.

Eine Zwiebel kleingeschnitten, mit gehacktem Knoblauch in Olivenöl angeschwitzt, mit rotem Port und Rotwein abgelöscht und mit Rosmarin und Thymian zur Soße gekocht (wie immer).

Aus in Scheiben geschnittenen Kartoffeln mit Knoblauch und Sahne ein Kartoffelgratin gebacken.

Das Fleisch mit Wildgewürz (Eigenproduktion) gewürzt und kurz ziehen lassen und anschließend angebraten. Die Kruste aus demTiefkühler in die Größe des Fleischstückes geschnitten und auf dem Fleischstück angedrückt. Im Ofen gratiniert, bis das Fleisch auch innen rosa ist.

Eigentlich wollte ich eine Pflaumensoße machen.
Aber meine gekauften Zwetschgen waren noch nicht reif genug.
Deshalb hab ich mir gedacht, ich mach aus dem Obst ein Gemüse.
In einer Pfanne dafür Zucker schmelzen lassen, Chili und Rosmarin zugeben, die in Streifen geschnittenen Pflaumen zugeben und  mit rotem Portwein durchschwenken. Dabei entsteht eine dickflüssige Soße, die das Gericht umrahmt, ähnlich einer Balsamico-Reduktion. (nur besser)

Wir haben zwar erst um halb zehn gegessen (abends), aber ich weiß nicht, ob das Gericht mir am Sonntag mittag schlechter gelungen wäre.

Dem Herrn Kampi hats gut geschmeckt. Und ich hab meinen Stress fast auf null reduziert, geh jetzt in meine Wanne und morgen (Sonntag)mit frischer Energie wieder in meine Verkaufsbude.

Und ich hab für morgen abend noch ein Stück Fleisch übrig. Wenn ich so richtig Stress haben sollte, lass ich mir morgen abend wieder was einfallen.

Kommentare:

Freundin des guten Geschmacks hat gesagt…

Unter Stress arbeiten kann ich auch am besten. Allerdings so aufwendig koche ich meist nur geplant.

Linde hat gesagt…

Ich fühle mich in deinem Blog sehr wohl und lese darin mit Begeisterung. Da muss ich in meinem Blog noch einiges dazulernen.
Ganz gut gefallen mir deine Bilder.


LG Linde

Suse hat gesagt…

Ui, ich glaub, das würde ich in der Situation nicht machen. Ich würde mir wahrscheinlich ne schnelle Pasta machen und fertig.
Aber dass du im Stress kreativ bist, kann ich anhand dieses Beitrags umterschreiben.

Täglich Freude am Kochen hat gesagt…

Stressabbau kann so unterschiedlich sein. Die einen müssen Sport betreiben, manche musizieren, andere kochen. Beim Kochen und Musizieren haben auch deine Mitmenschen was davon,vorausgesetzt, dass was Gescheites dabei raus kommt:)

...Frau Kampi... hat gesagt…

@FdgG,ich muss ja auch im Job auf Abruf kreativ sein. Aucgh da spielt der Aufwand meist keine Rolle:-)
qLinde, freut mich, dass du dich wohl fühlst. Danke. Die meisten Bilder macht der Herr Kampi, sein Hobby.
@Suse, es blieb mir nichts anderes übrig, das Fleisch war ja schon aufgetaut. Und mehr Zeit hatte ich in den folgenden Tagen ja auch nicht.
@TFaK,ich brauch das wirklich zum Stressabbau, und wie du schon schreibst, die Familie freut sich!