Sonntag, 9. Januar 2011

Übers Essen wird nicht diskutiert!

MUUUUTTIIIII! Gibts´n Sonntag mittag?
Was mit Grünkohl!
GRÜÜÜÜNKOOOOOOHL? Bääääääh, ich mag doch keinen Grünkohl! Schmeckt nicht! Viel zu grün und viel zu gesund!
Warts doch erst mal ab!
Ich will was mit Fleisch und nicht so nen gesundes Zeugs!!!

So oder zumindest so ähnlich wäre der Disput mit dem fast 16jährigen Junior verlaufen, wenn ich ihm vorher ne Andeutung vom sonntäglichen Mittagsmahl gemacht hätte.

Wie, ihr sympathisiert mit dem junior? Sonntags Grünkohl geht gar nicht?

Was hat eure Mutter denn zu euch gesagt?
Wenn ihr wieder am Essen rumgemäkelt habt?
Gegessen wird, was auf den Tisch kommt! Und es wird von allem gekostet. 
Und was hat Vati noch ergänzt?
Solange du die Füße unter meinen Tisch steckst, bestimme ich!!!

Gott sei dank sind diese Ansichten schon etwas überholt. Und was das Essen betrifft gibt es bei uns, auch beim junior, keine Diskussionen mehr. Er weiß, wenn Mutti kocht, ist das schon essbar.
Und sonntags sowieso.

Trotz alledem gibt es dennoch was mit Grünkohl und junior schaute am gestrigen abend schon reichlich verdattert, als ich ihn, den Kohl, gewaschen, geputzt und kurz gedämpft habe.

Der Herr Kampi hat im Winter ein sehr großes Verlangen nach solchem Wintergemüse. So hat er auch beim Gemüse-Händler mal wieder reichlich eingeladen.
So hab ich ihm gestern schon zum Abendessen etwas Zwiebel angeschwitzt, den abgeschreckten und abgetropften Grünkohl zugegeben und alles schön angeschmort. Nicht braun werden lassen, das Gemüse soll seine Knackigkeit und grüne Farbe behalten. Eine halbe Chorizo in feine Würfel geschnitten mit in die Pfanne gegeben. Ordentlich abgeschmeckt und dem Herrn Kampi serviert. Der hat mal ordentlich reingehauen, der junior hat dankend verzichtet!

Was beide nicht gemerkt haben, ich hab mir die zartesten grünsten Blättchen zur Seite gelegt. So eine ordentlich große Männerhand voll.

Ich hatte da nämlich eine Idee! Resteverwertung des Silvester-Knabberzeugs!
Da hatte ich doch einen gehörigen Fehlgriff gemacht. Aus Versehen oder auch aus Nichtwissen habe ich eine Tüte gesalzene Rauchmandeln gekauft.

Das kannste echt nicht essen, das Zeug!
Also von uns mag es keiner, und so dümpelten die braunen Teilchen in der Schale neben den paar pappig gewordenen Chips vor sich hin.
Da es mir aber zu schade war, die ganze Tüte zu entsorgen, hab ich mir den Kopf zermartert, was ich damit anstellen könnte. Und als ich die Wirsingrouladen für den samstag vormittag (wird noch verbloggt!) in Arbeit hatte und wie immer an einem Stück rohen Kohl knabberte, kam mir die Idee! Ich knabberte widerwillig noch so ne verräucherte Mandel hinterher und siehe da! Die beiden Sachen passten ausgezeichnet zusammen.

Also hab ich mich an die Kreierung und Herstellung eines Grünkohl-Rauchmandel-Pestos gemacht.
Der blanchierte (oder in meinem Fall gedämpfte) Kohl sollte dafür sehr zart sein und keine groben Blattrippen mehr haben.
Nen ordentlichen Pürierstab brauchste trotzdem!

Also den Kohl mit den Rauchmandeln pürieren.
Mit Knoblauch hab ich mich zurückgehalten, deshalb nur eine kleine Zehe hineingegeben. Dann etwas Parmesan, eine halbe frische Chilischote, etwas Olivenöl. Da ich den Geschmack des Kohles und der Mandel  nicht übertönen wollte, habe ich noch etwas neutrales Traubenkernöl dazugegeben, könnte mir aber auch ein mild-fruchtiges Olivenöl gut dazu vorstellen. Abschmecken mit Pfeffer und ein wenig Salz.

Schmeckt genial.
Und was dazu?

Roastbeef Steaks vom grass fed Wagyu! Hatte ich vor dem Jahreswechsel in der Metro gekauft. Wären die nicht zum halben Preis verkauft worden, hätte ich sie sicher im Kühlregal liegen lassen.  (der Herr Kampi schleicht schon ne Weile drumrum)


Und bei Rock the kitchen gabs gleich noch ein Rezept für ne tolle Beilage: Zitronen-Thymian-Kartoffeln.



Ich hab das Rezept nur insoweit abgewandelt, dass ich die Kartoffeln in Sechstel geschnitten , den Saft von nur einer Zitrone verwendet und sie nach dem Schmoren im Backofen noch einmal in einer Pfanne kross angebraten habe. Und ich habe außer Thymian noch frische Lorbeerblätter dazugegeben.

Dazu gab es eine Rotwein-Rindsfond-Reduktion mit langem Pfeffer.


Das (der Pfeffer) war ein nicht ganz uneigennütziges Weihnachtsgeschenk an den Bruder der Frau Kampi, neben dem wilden Kubeben-Pfeffer, der sich schon am Silvesterabend als wahre Offenbarung zum Rind entpuppte. (das beides wurde natürlich ganz brüderlich aufgeteilt...)
Die Sauce wurde einfach nach dem Abschmecken mit Salz nur mit kalter Butter montiert.

Und da ich gern ein Gemüse dazu möchte, hab ich einfach knackige weiße Rübchen in Spalten geschnitten, in Karamell und Butter glasiert, mit Salz gewürzt und vor dem Servieren in Meerrettich gewendet.






Und wenn noch einer sagt,Grünkohl und Sonntag passt nicht...
Dann denkt doch einfach mal, was eure Eltern gesagt haben:
Was du nicht gekostet hast, kannste nicht beurteilen!

Also, Versuch macht klug!

Kommentare:

mein Ideentopf hat gesagt…

hallo Sandra
also ich muß doch echt mal an einem Sonntag bei dir vorbeischauen - bei mir bleibt die Küche Sonntags immer auf Sparflamme; da soll es schnell und einfach gehen, ist ja auch mein freier Tag :) Guten wochenstart - LG SIglinde

...Frau Kampi... hat gesagt…

Siglinde, der Sonntag ist auch mein freier Tag. Aber gerade aus dem Grund koche ich, als Entspannung quasi. Schön das du vorbei schaust! Und ne schöne Woche für dich und nicht so viel Stress!
Liebe Grüße, Sandra

Freundin des guten Geschmacks hat gesagt…

Genau hatten wir heute auch Grünkohl. Den ersten in dieser Saison. Bei uns gab es Gänsekeulen dazu, wir waren hingerissen. Bei Euch war es aber auch nicht von schlechten Eltern, aber hallo!!

...Frau Kampi... hat gesagt…

Gans und Grünkohl ist bei uns Tradition an/zu Weihnachten. Danach will ich ihn neu interpretiert. Und das Pesto ist echt der Kracher!!!! Ich bin hin und weg! Und der junior auch! Und der Herr Kampi sowieso!

Peter hat gesagt…

Als Süddeutscher ist mir Grünkohl von vornherein suspekt. Ich konnte nie verstehen wie sich meine norddeutschen Bekannten bei "Grünkohl mit Pinkel", allein der Name erzeugt bei mir ein Würgegefühl, den Bauch vollschlugen. Und "Nein, ich will das nicht probieren." Von daher kann ich Kampi Junior mehr als gut verstehen.

So jetzt hab ich mich geoutet, aber die Geschmäcker sind eben verschieden!

Peter hat gesagt…

Eines habe ich vergessen. Das Wagyu lächelt mich schon sehr verdächtig an. Da würde ich nicht "Nein" sagen. ;-)

Claus hat gesagt…

Is´ schon klar. Sowas banales am Sonntag! Das geht wirklich nicht. Nene, hab schon verstanden, Wagyu, echt 08/15...:-)

...Frau Kampi... hat gesagt…

@Peter,
DEN Grünkohl würdest auch du essen, glaub mir! Das Pesto ist sowas von lecker. Der Kohl ist ja nicht "kohlig", weil er nicht gekocht ist! Und das Fleisch braucht so ein paar sanfte Begleiter, die den Geschmack noch betonen. Es hat wirklich alles zusammengepasst und wenn nur ein Element nicht dabeigewesen wäre, hätte was gefehlt.
Und das Fleisch war der Knaller!
@Claus,
wer hat denn von 08/15 gesprochen? Sonntags gibts bei uns nichts banales! Aber im Ernst, wäre das Fleisch nicht reduziert gewesen, hätte ich es wirklich nicht gekauft!
Aber die Qualität war schon toll!

Sylvia hat gesagt…

Da laß ich ja die ollen Kartoffeln links liegen und verbeiß mich lieber in Deinem Wagyu... ;-)

Freundin des guten Geschmacks hat gesagt…

Ich erlaube mir, Dir den Award "Liebster Blog" zu überreichen.
Grüße aus Bo.

Freundin des guten Geschmacks hat gesagt…

Hier ist noch der Link dazu
http://reinegeschmacksache.blogspot.com/2011/01/award-liebster-blog.html

Isi hat gesagt…

Heyheyhey, ist ja großes Kino bei Euch. Das darf ich A. gar nicht zeigen, dass es Wagyu bei Euch gibt. Der will das auch unbedingt mal essen. Naja, ich kann es höchstens bestellen, denn hier bei uns habe ich das noch nicht gesehen. Das Grünkohlpesto gefällt mir super. Ich liebe Grünkohl...

Suse hat gesagt…

Grünkohlpesto finde ich schon sehr gewagt, aber Mut muss schließlich belohnt werden.
Das macht mich in der Tat sehr neugierig.